Aron Demetz, Wolkenstein

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Aron Demetz2

Aron Demetz entstammt einer alten ladinischen Bildhauerfamilie, deren Mitglieder schon seit Jahrhunderten im Grödnertal, der ladinischen Region in Oberitalien, als Holzschnitzer tätig waren, wobei diese meist von kirchlichen Auftraggebern geförderten Kunsthandwerker in einer traditionellen figurativen Programmatik und Stilistik arbeiteten. Aus diesen Konventionen emanzipierte sich in unseren Tagen eine jüngere Generation hochtalentierter Skulpteure, die bestärkt durch das Vorbild von figurativ arbeitenden Künstlern mit internationalem Rang, wie zum Beispiel Jeff Koons, Ron Mueck, Stephan Balkenhol und Charles Ray sowie insbesondere beeinflußt durch den Japaner Funakoshi, sich von den erstarrten Bildmustern abwandten, wobei sie aber nach wie vor das Holz als Werkstoff beibehielten.

Aron Demetz ist innerhalb dieser jüngeren Generation der experimentierfreudigste, sowohl was die Auseinandersetzung mit dem Material anbetrifft als auch in Bezug auf die Themen, die er aufgreift. So kommt er offenkundig von der christlichen Ikonographie und vom katholischen Ritual her, wenn er in Lebensgröße vier Jungfrauen als Trägerinnen eines Tableaus gestaltet und so an eine Prozession erinnert. In glaubwürdiger Lebendigkeit schuf er diese keuschen jungen Mädchen in Form polychromer Holzfiguren, so dass sie die Madonna, die sie eigentlich tragen sollten, selbst vergegenwärtigen. Das Skulpturenprogramm von Aron Demetz in seinen früheren Jahren, war ausgerichtet auf den Menschen in der Pubertät, also auf eine Periode der Unsicherheit im Hinblick auf die Beziehung zwischen dem Selbstbewusstsein und der körperlichen Selbstdarstellung. Auf der anderen Seite interessierten ihn Verhältnisse des Mit- und Zueinanders nackter Urmenschen sowie starke erotische, ja sexuelle Relationen, die er wie in einem dreidimensionalen musealen Anschauungsbild fixierte. Die Auswahl der Werke in der hier vorgestellten Schau der VAF-Stiftung präsentiert signifikante Beispiele der überraschenden Experimentierfreudigkeit von Demetz,wie beispielsweise eine Figur aus einer Serie, in der er Körperpartien – vor allem die Köpfe einschließlich der Gesichter – partiell mit Harz bedeckt. Dieses natürliche Baumharz, das er selbst auf Streifzügen in den Wäldern der Umgebung von Wolkenstein einsammelt, ergießt sich unter Hitzeeinwirkung als eine leicht durchscheinende, bernsteinfarbene Masse über die Physis der Gestalten, wobei der Künstler deren Verunreinigungen durch caratteribraune bis schwarze Strähnen und Klumpen bewusst akzeptiert. Das Harz erweckt den Eindruck als sei der Körper von einer himmlischen Plage oder von einem Aussatz befallen, dem sich die Menschen in hilflosem Erdulden ergeben. Damit erzeugt Aron Demetz eine Ausdrucksqualität, die wiederum an Motive der mittelalterlichen Apokalyptik erinnern, er schafft Metaphern für Martyrien, für Blut, Tränen, Leiden, Folter und Tod. Die Zitierung einer mystischen Frömmigkeit ist in diesen Figuren hier eindringlich spürbar. Es ist eine thematische, eine narrative Phantasie die hier deutlich wird, und es beinhaltet auch ein existentialistisches Pathos, welches der Künstler in den Figuren, die er mit Feuer behandelt, noch steigert. So wie für den Holzbildhauer eine Eigenschaft seines Materials inhaltlich relevant wird, die sich vor allem bei Figuren aus jüngeren Hölzern auswirkt und die man als das Bluten des Stammes bezeichnet, so riskiert der Bildhauer in jenen Figuren, deren Holzstruktur und deren Oberfläche er durch das kontrollierte Verbrennen in einem Brandherd quasi zu Holzkohle werden lässt, dass sie instabil werden. Diese in den Flammen vollkommen geschwärzten und brüchig gewordenen Skulpturen, die oft überlebensgroße Maße haben und die wie unheimliche Wesen erscheinen, die aus einer Katastrophe der Endzeit hervorgegangen sind, haben eine äußerst fragile Substanz und sie sind der Gefahr ausgesetzt, in sich zusammenzustürzen.

Natürlich denken wir auch an den mythischen Vogel Phönix, der sich im Feuer erneuert. Für die Figuren von Aron Demetz spielen dazu weitere unterschiedliche Quellen eine nicht unbedeutende Rolle, beginnend bei lokalen Sagen und Märchen bis hin zum Science- Fiction-Film lässt er sich vielfach inspirieren.

 

Peter Weiermair

Lebenslauf

Aron Demetz wurde am 29. September 1972 in Sterzing geboren und er absolvierte eine erste künstlerische Ausbildung in den Jahren 1986 bis 1993 am Kunstinstitut in Wolkenstein im Grödnertal. Von 1997 bis 1998 studierte er Bildhauerei bei Christian Höpfner an der Akademie der Schönen Künste in Nürnberg. Seit 2010 hat er einen Lehrstuhl für Bildhauerei an der Akademie der Schönen Künste in Carrara inne. Der Künstler lebt und arbeitet in Wolkenstein.

Kunstwerke

Demetz CinderElla 22
Demetz CinderElla 17
Demetz CinderElla 20
Demetz CinderElla 21
Demetz CinderElla 22

„Cinder Ella“, 2011
Verkohltes Zedernholz
Höhe 195 cm

 

Demetz Iniziazione 1
Demetz Iniziazione 8
Demetz Iniziazione 6

„Iniziazione“ (Einweihung), 2004
Lindenholz und Acrylfarben
Höhe 125 cm, Breite 155 cm, Länge 215 cm

 

Demetz SenzaTitolo 1
Demetz SenzaTitolo 2
Demetz SenzaTitolo 5
Demetz SenzaTitolo 6
Demetz SenzaTitolo 8

„Senza titolo“ (Ohne Titel), 2009
Zedernholz und Pinienharz
Höhe 260 cm

Ausgewählte Einzelausstellungen

1999 Aron Demetz, Galleria Ravagnan, Venezia

2004 Aron Demetz, Ex-Chiesa di San Filippo Neri, Roma

Aron Demetz, Galleria Davico, Torino

2005 Aron Demetz, Tradizione e leggerezza, Galleria Forni, Bologna

Vineart Arte Fiera, Bolzano 

Aron Demetz, In sé, Galleria il Polittico, Roma

2006 Aron Demetz, Albemarle Gallery, London

Aron Demetz, Museo Archeologico, Milano

2007 Cujidures, Museo Civico, Chiusa / Bolzano

2008 Aron Demetz, Elliott Erwitt, First Gallery, Roma

Aron Demetz, Disegni e sculture, Galleria Margini, Massa

Aron Demetz, Padiglione d‘Arte Contemporanea (PAC), Milano

2010 Hypridität, Galleria Artdepot, Innsbruck

Ver-Wandlungen, Metamorphosen von Skulpturen im Wandel der Zeit, Augustinermuseum, Rattenberg

2011 Aron Demetz, Galleria Goethe, Bolzano 

Solide Fragilità, Villa Bottini, Lucca

Aron Demetz – La Natura Umana, Cast your art, Wien 

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2001 Museo Trautmannsdorff, Merano Christian Höpfner und Schüler, Galerie Flierl, Berlin

2001 Galerie Tammen & Busch, Berlin

2001 Figurazione, Studio Forni, Milano Unika, Leipzig

2002 Galerie Prom, München

2002 Galleria Forni, Bologna

2002 Nuova scultura italiana, Galleria Il Polittico, Roma

2002 Accademia Nazionale di San Luca, Roma

2002 Premio giovani 2002 – Scultura, Galleria Carlo

2002 Lorenzetti, Milano

2003 Unika, Daetz-Centrum, Lichtenstein

2003 Simposio di scultura, Toyama (Japan)

2003 „Solitudini“, Kreis Galerie, Nürnberg

2003 Italian Factory – La nuova scena artistica italiana, Istituto di Santa Maria della Pietà, Venezia

2003 Italian Factory – La nuova scena artistica italiana, Gebäude des Parlaments, Straßburg

2003 Palazzo della Promotrice delle Belle Arti, Torino

2003 Castel Sant‘Angelo, Cagliari

2003 After the Fair, Galerie Tammen & Busch, Berlin

2004 XIV Esposizione Quadriennale d‘Arte – Anteprima, Palazzo della Promotrice delle Belle Arti, Torino

2004 D‘Haudrecy Art Gallery, Knogge

2004 Re Aktion, Galerie der Kunstakademie Nürnberg

2004 95 Anni Scuola d‘Arte Selva, Museum Ladin, San Martin De Tor, Val Badia

2004 „La ricerca dell‘identità. Da Tiziano a De Chirico“, Complesso di Sant‘ Agostino, Ascoli Piceno

2004 „Per Amore – La raccolta Caggiano“, Complesso Santa Sofia, Salerno

2004 „Iconica“, Arte contemporanea e Archeologia, Selinunt

2004 Überblick 2004, Künstlersonderbund in Deutschland, Berlin

2005 „Il ritratto interiore. Da Lotto a Pirandello“, Museo Archeologico Regionale, Aosta

2005 „Miracolo a Milano“, Palazzo della Ragione, Milano Rassegna Internazionale d‘Arte G. B. Salvi, Palazzo Ex-Pretura, Sassoferrato

2005 „What is realism?“, Albemarle Gallery, London

2005 Chiaroscuro, Art Gallery, London

2005 0Ligabue / Ontani, Galleria Civica di Palazzo Loffredo, Potenza

2005 „L‘inquietudine del volto. Da Lotto a Freud, da Tiziano a De Chirico“, Sala Espositiva Bipitalia, Lodi

2006 „Sui generis. Figure in posa“, Galleria Le Muse, Andria

2006 Quindici anni, Scuderie Aldobrandini, Frascati, Roma

2006 Terzo festival di ricerca sulla scultura, Fortezza

2006 della Brunella di Aulla, Pietrasanta

2006 „Kunstkörperlich – Körperkünstlich“, Kunsthalle Dominikanerkirche, Osnabrück

2006 „Figurae“, Galleria Factory, Modena

2006 „Holzwege“, Städtische Galerie die Fähre, Bad Saulgau

2006 „Arte – Tempio | Kunst im Sakralraum“, Palazzo Vescovile, Bressanone / Bolzano

2007 Albemarle Gallery, 10th anniversary show, Albemarle Gallery, London

2007 Italiana, Shanghai Art Museum

2007 La nuova scena artistica italiana, Taipeh

2007 Fine Arts Museum, Taiwan

2007 Mostra censurata Arte e Omosessualità. Da van Gloeden a Pierre & Gilles, Palazzo della Ragione, Milano

2007 Premio Michetti – nuovi realismi, Fondazione Museo Michetti, Francavilla al Mare, Chieti

2007 „La nuova figurazione, to be continued …“, Fabbrica Borroni, Bollate

2008 Antologia di figurae, Galleria Arteutopia, Milano

2008 Prima Rassegna d‘Arte Premio Orzinuovi Per A. – La raccolta Caggiano, Palazzo Incontro, Roma

2008 Manifesta Parallelevents, Ortisei

2009 L.A. Art Show, Los Angeles

2009 „Corpus Maximus 2009“, Timothy Yarger Fine Art and Yarger, Strauss Contemporary, Beverly Hills

2009 „L‘Anima dell‘Acqua – Contemporary Art“, Ca‘d‘Oro Galleria Franchetti, Venezia

2009 53. Esposizione Biennale Internazionale di Venezia, Padiglione Italia, Arsenale, Venezia

2010 „Summertime“, Galleria Goethe, Bolzano

2010 Moderne Beeldhowkunst uit Noord-Italie, Codamuseum, Appeldoorn

2010 Museum Augustinerkloster, Rattenberg

2010 Ritratti italiani, Auditorium di San Lorenzo, Cento

2010 Tridimensions today, indagine sull arte plastica fra creazione e trasmissione del sapere, Fondazione la Versigliana, Pietrasanta

2011 Premio Maretti Valerio Riva, Centro per l‘Arte Conemporanea Luigi Pecci, Prato

2011 „Messaggi dal legno“, Associazione Olympus, Villa Manin, Passariano, Udine

2011 „Un giardino incantato“, Giardino Storico Palazzo Soranzo Cappello, Venezia

2011 Ladinia, Tiroler Volkskundemuseum, Innsbruck

2011 „Figura – Bildhauerei in Tirol, Südtirol und Trentino in den letzten 50 Jahren“, Franzensfeste | Fortezza