Donato Piccolo, Rom

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Donato Piccolo Profil

In den Werken von Donato Piccolo lässt sich ein unmittelbarer Bezug zur Kategorie des Sublimen und des Erhabenen erkennen, was vor allem im Hinblick auf ihre romantische und „dynamische“ Ausprägung gesagt werden darf und zwar in dem Sinne, wie dies von Immanuel Kant in der „Kritik der Urteilskraft“ definiert worden war. Es ist aber auch pflichtschuldig angebracht, auf die Kunstgeschichte zu verweisen und hierbei insbesondere die Gemälde „Der Mönch am Meer“ (1808 / 09) oder „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) von Caspar David Friedrich in Erinnerung zu rufen. Dieser Mönch, dieser Bergwanderer – das sind wir, die Betrachter, die reglos ergriffen vor der schauerlich - spektakulären Naturkulisse stehen.

Bei Piccolo ist eine Distanz zwischen dem Menschen und dem Naturschauspiel dadurch gegeben, dass er seine Sturmwinde und Unwetter in gläsernen Vitrinen entfacht, d. h. dass er eine Präsentation seiner Naturschauspiele in einem Behältnis bevorzugt, durch die das Ereignis gebändigt und auch eingegrenzt ist. Die Aufmerksamkeit von Piccolo im Bezug auf Naturereignisse ist Teil einer künstlerischen Sensibilisierung gegenüber Umweltfragen, wofür Namen wie Olafur Eliasson und Tomás Saraceno mit ihren bedeutenden Werken zu nennen sind. Piccolos Schaffen ist also einer Kunstströmung zuzuordnen, zu der beispielsweise auch der Engländer Paul Fryer gehört, der mit seinem Werk „Aurora“ von 2008 ein Phänomen wie die außergewöhnliche Schönheit eines Polarlichts in einem Glaskolben simuliert hatte. Obwohl Piccolo auch schon Hurrikane in einer Dimension realisiert hat, die es dem Betrachter ermöglicht, in das Innere eines solchen Geschehens einzutreten, ist es meist doch eher seine Intention, die Nebel-Phänomene, die er erzeugt, in einem Maßstab zu zeigen, der dem Menschen entspricht, d. h. die Höhe seiner Schaukästen sowie die Positionen der Lichter sind an der Größe einer Person mittlerer Statur orientiert.

Der Künstler spielt mit dem Wahrnehmungsvermögen des Rezipienten, wobei er dessen Emotionen in einer Weise stimulieren möchte, bei der die angsteinflößenden Komponenten weggelassen sind, die in der Natur aufgrund der dort herrschenden unüberschaubaren Ausdehnung wie auch wegen der dort meist vorkommenden katastrophalen Auswirkungen unvermeidlich sind. Er gestattet sich diesen Kunstgriff vor allem in seinen Arbeiten auf Papier, die einerseits Studien zu seinen Projekten darstellen, andererseits aber auch autonome Werke sind, in denen er das explosive Chaos, das verrückt gewordene Maschinen verursachen, zur Anschauung bringt. Die Größe dieser Bilder ermöglicht es, sich in einem kreativen Vulkanausbruch aufzuhalten und dabei dennoch in der illusionären Zweidimensionalität zu bleiben, wie z. B. in der Zeichnung „Progetto per corsa ad ostacolo“ (Projekt für einen Hürdenlauf), die 220 cm in der Länge misst, während die Papierarbeiten „Potassium‘s explosion“ und „Project for dream machine II“ (Projekt für eine Traum-Maschine) jeweils eine Höhe von 170 cm aufweisen.

Piccolo sucht oft die Interaktion zwischen dem Raum und dem Publikum, wie beispielsweise in dem Werk „Colonna d‘urto“ (Säule des Zusammenstoßes), bei der die Betrachter die Vorgänge in dem aufrechtstehenden gläsernen Behälter, wie z. B. die Bewegung des Dampfes, die Geschwindigkeit der Dampferzeugung bzw. der Strömung des Dampfes oder die Dichte der Dampfsäule, beeinflussen können. Dies geschieht mittels Sensoren, welche auf die Intensität der Lautstärke reagieren, die von den Besuchern ausgeht. Allen diesen Aspekten seiner Kunst widmet Piccolo viel Zeit in seinem Labor, in dem er daran arbeitet, ein Stück Natur zu analysieren.

Manuela Pacella

Lebenslauf

Donato Piccolo wurde am 14. Oktober 1976 in Rom geboren, wo er auch heute lebt und arbeitet.

Kunstwerke

Piccolo Tenoredifondo 1

„Tenore di Fondo“ (Grundstimmung), 2011

Foto Simon d‘Exe‘a

Technik/Details:

Von Mineralien gereinigtes, d. h. destiliertes Wasser, Ultraschallzerstäuber, Glas, reflektierendes Glas, verzinktes Eisenblech, spiralige Absauganlage, System zur Transformation von digitalen Signalen in analoge Signale.

Grösse: 250 x 50 x 50 cm

Piccolo Tenoredifondo 2

„Tenore di Fondo“ (Grundstimmung), 2011

Foto Simon d‘Exe‘a

Technik/Details:

Von Mineralien gereinigtes, d. h. destiliertes Wasser, Ultraschallzerstäuber, Glas, reflektierendes Glas, verzinktes Eisenblech, spiralige Absauganlage, System zur Transformation von digitalen Signalen in analoge Signale.
Grösse: 250 x 50 x 50 cm

Piccolo projectfordreammachine2

„Project for Dream Machine II“ , 2010

Projekt für eine Traum-Maschine II

Technik/Details:

Mischtechnik auf Karton. Foto: Thomas Nitz.
Grösse: 110 × 160 cm

Piccolo progettopercorsaadostacolo

„Progetto per corsa ad ostacolo“, 2011

Projekt für einen Hürdenlauf

Technik/Details:

Mischtechnik auf Karton. Foto: Angelo Sabatiello.
Grösse: 115 × 220 cm

Piccolo potassiumsexplosion

„Potassium‘s explosion“, 2011

Kaliumexplosion, esplosione di pottasio

Technik/Details:

Mischtechnik auf Karton. Foto: Angelo Sabatiello.
Grösse: 115 × 160 cm

Ausgewählte Einzelausstellungen

2006 Housekeeping, Soligo Art Project, Roma

2007 Worter, Galleria Stefania Miscetti, Roma

2009 Avant et Devenir, Gallery Riff Art Projects, Paris / Istanbul
Meccanismi d‘Instabilità, Festival dei Due Mondi, Casa Romana, Spoleto 

2010 Reversible Mechanisms, Space Gallery, Bratislava
Instabile reversibile, Galerie Mario Mazzoli, Berlin

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2002 Il giornale di un solo giorno, Performance con scultura, Roma

2003 Premio Fondazione Armellini, Scultura in Piazza Mondo, Roma
Short Movie Festival, Premio della giuria con il film „L‘8 vizio“ fatto in collaborazione con Claudio Stirlani, Roma

2005 In memoria di Valerio Riva, Premio Maretti, Repubblica di San Marino
Contemporaneamente, Artefiera Project, Parma
Biennale Adriatica Arti Nuove, Museo di San Benedetto del Tronto
K-Event, KunstArt, Bolzano
Memoria: tracce, Palazzo Rialtosantambrogio, Roma

2007 The cross, scultura nello spazio pubblico, Parco Maria Callas, Sirmione
52. Esposizione Biennale Internazionale d‘Arte di Venezia, Padiglione della Repubblica Araba, Chiostro di San Francesco della Vigna, Venezia
Sex is a pain in the ass, Cinema Avorio, Roma

2008 Here come the Rolling Stones, Galleria Boetti, Roma
Le temp au temp, Riff Art Project Gallery, Straßburg
Simboli di ferro – Falce e Martello, Museo d‘Arte Contemporanea, L‘Aquila
Well Darling, I act, opera insieme con Maurizio Mochetti, Galleria Boetti, Roma

2009 Amore e Psiche, Rocca Albornoziana, Spoleto
Physical Conditions Gallery Crawl, Wodd Street Gallery, Pittsburgh

2010 Take the Space, Palazzo della Vicaria, Trapani
Contemporary Art Istanbul, Riff Art Project Gallery, Istanbul
Entre Glace et Neige – Processi ed enegie della natura, Centre Saint Benin, Aosta
11. Mostra Internacional Gas Natural Fenosa“, Museode Arte Contemporáneo Gas Natural, Fenosa in Coruna
Buon domani, Galleria Stefania Miscetti, Roma

2011 Artefiera di Bologna, Roma – The road to contemporary art, Art Amsterdam
„Affrontare il rosso“, Centro di Arte Contemporanea, Roma
54. Esposizione Biennale Internazionale d‘Arte di Venezia, Padiglione Italia – Palazzo Venezia Roma
„After the crash“, Orto Botanico, Roma
„Costruzione di una metafisica dell‘assenza“,Piazza dei Ricci, Roma
ISCP, New York