Giulia Caira, Turin (Gewinner des VAF-Kunstpreises von 2012)

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Giulia Caira

Die multimedialen Inszenierungen von Giulia Caira sind oft präzise Analysen von Grenzsituationen der menschlichen Existenz, wobeidie Künstlerin in einem höchst intelligenten und interdisziplinären kreativen Vorgehen sowohl Erfahrungen mit der Psychologie wieauch soziologische, literarische und dramaturgische Kenntnisse verwertet. Ihre Bühne ist dabei der Film, der für sie ein Medium ist,das sie perfekt und mit packender Gestaltungskraft als eine Aufzeichnungsmethode für personelle Psychogramme oder aber auch für dramatische szenische Handlungen einzusetzen versteht. Dabei verzichtet sie jedoch darauf, den Film als ein Instrument der Reportage von realen Geschehnissen zu verwenden, vielmehr basieren ihre Darbietungen durchweg auf detaillierten Drehbüchern, die sie selbst konzipiert hat, sowie auf exakten gedanklichen Durchdringungen vonmentalen Prägungen und Verhaltensmustern, es sind künstlich inszenierte Auftritte, Situationen und Ereignisse, deren überzeugenden Schilderungen von Charakteren sich einer immens scharfen Beobachtung der sozialen wie individuellen Wirklichkeit sowie einem äußerst sensiblen Gespür für psychische Auffälligkeiten wie auch für scheinhafte Selbstprofilierungen verdanken.

Entscheidend aber ist bei all dem, dass sie in diesen filmischen Sequenzen stets selbst als Akteurin auftritt, wobei sie eine Gabe der Einfühlung in die mentalen Strukturen von Personen sowie eine derart verblüffende Verwandlungsfähigkeit und eine so intensive wie glaubwürdige schauspielerische Typisierung ihrer Figuren beweist, dass dies mit dem Prädikat höchster Professionalität auszuzeichnen ist. Dass sie weibliche wie auch männliche Rollen gleichermaßen eindringlich spielt, ist hierbei nur als Randnotiz zu erwähnen.

Die diversen Ebenen von individuellen Identitäten, die unterschieden sind in ein offizielles, öffentliches und berufliches Auftreten auf der einen Seite, das aber ein meist nur vorgetäuschtes Image ist, und in ein privates, subjektives und intimes Innenleben, das wegen seiner Schwächen und Obsessionen gerne verborgen wird, auf der anderen, thematisiert Giulia Caira in der audiovisuellen Installation „Le Parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), wobei es ihr um das Aufzeigen von mentalen Instabilitäten einzelner Individuen geht, deren scheinbar souveränes nach außen zur Schau gestelltes Ego permanent durch Interventionen aus internen psychischen wie auch gedanklichen Obsessionen infrage gestellt wird. Dazu hat sie eine Situation inszeniert, in der 9 Figuren sich zwecks einer geschäftlichen Besprechung um einen Konferenztisch herum versammeln, was in der Ausstellung durch ein entsprechendes Möbel mit 9 darauf montierten Monitoren sowie mit 9 von den Besuchern benutzbaren Kopfhörern simuliert wird.Auf diese Weise können die Besucher – mit am Tisch sitzend – teilhaben an den inneren Monologen von Managern, von zynischen Karrierefrauen, von einem alternden Playboy, von jungen arroganten Sprösslingen reicher Familien, von einem Unternehmer, der gerade seine Ex-Ehefrau ermordet hat, und von einer Sekretärin mit Schuldgefühlen gegenüber ihrem vernachlässigten Gatten.

Klaus Wolbert

Lebenslauf

Giulia Caira wurde am 5. Oktober 1970 in Cosenza geboren, die Künstlerin lebt und arbeitet in Turin.

Kunstwerke

Caira leparolenascoste V1 Bianca

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V7 – Michele

Technik/Details:

Szenenfoto

Caira leparolenascoste V7 Michele3

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V1-Bianca

Technik/Details:

Szenenfoto

Caira leparolenascoste V5 Valeria

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V5-Valeria

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Szenenfoto

Caira leparolenascoste V9 Antonio

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V9-Antonio

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Caira leparolenascoste V8 Vilmo

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V8-Vilma

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Szenenfoto

Caira leparolenascoste V4 Bruno

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V4-Bruno

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Caira leparolenascoste V2 Johnny

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V2-Johnny

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Caira leparolenascoste V6 Furio

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009

V6-Furio

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Szenenfoto

„Le parole nascoste“ (Die verborgenen Wörter), 2009 Multimediale audiovisuelle Installation | Installazione multimediale, audiovisiva Ovaler Konferenztisch (L.nge 360 cm, Breite 180 cm) mit 9 Bürosesseln, 9 TV-Monitoren mit integrierten DVD-Playern und 9 Stereo-Kopfhörern, 9 DVD mit einer Spieldauer von jeweils circa 1:40 Minuten.

Auf jedem Monitor wird jeweils ein Film mit einer Länge von circa 1 Minute 40 Sekunden abgespielt, wobei insgesamt 9 sozial wie mental unterschiedliche Personen typisiert werden. Die einzelnen Figurentypen werden alle von Giulia Caira dargestellt, die Stimmen kommen von Chicca Vancini, Franz Goria, Emanuela Currao, Domenico Mungo, Valeria Bianchi Mian, Fulvio Bosco und Stefano Milano.

Masken und Frisuren wurden von Marzia Colomba gestaltet.

 

Ausgewählte Einzelausstellungen

1995 Untitled, De-Pot and Hip Hpo Gallery, Bologna

1996 Fasi transitorie, Galleria Modena 55, Torino Giulia Caira 1996, ES, Torino

1999 Speculum, Lipanje Puntin, Trieste
Speculum, Project room, Art Cologne, Köln

2000 Speculum, Galerie De Miguel, München
Speculum, Project room, Padiglione Italiano, Galleria Lipanje Puntin, ARCO 2000, Feria de Madrid

2002 Dejà-vù, Circolo degli artisti, Faenza

2005 Non conforme, Galleria Dieffe, Torino

2007 Zona disagio, CRAC, Cremona

Ausgewählte Gruppenausstellungen

1994 Cordata – sei spazi diciotto artisti, Artifex Torino
Biennale dei Giovani Artisti dell‘Europa e del Mediterraneo, Corderie, Lisboa

1995 Scatti, ES, Torino Delirium design – mostre culturali di abitare il tempo, Fiera di Verona
Immagini come luoghi, Progetto Artifex per il Forte di Bard, Aosta
Nuovi arrivi, Giovani artisti a Torino, Galleria di San Filippo, Torino

1996 Giro d‘Italia, Torino Galleria l‘Attico, Roma
Modernità – Progetto 2000, ex Lanificio Bona, Carignano, Torino
Il nibbio di Leonardo e la fauna di Carpi, Cortile San Pio V, Carpi, Modena

1997 Paris Photo, Galleria Lipanje Puntin, Carrousel du Louvre, Paris
Collezione permanente, Galleria Civica d‘Arte Contemporanea, Siracusa
Che cosa sono le nuvole?, Appunti per una collezione, Guarene Arte 1997, Palazzo Re Rebaudengo, Guarene
The world from the female, En Plein Air Arte Contemporanea, Pinerolo; Dialoghi, Biella Sesto incontro con artiste Torinesi, Orovincia di Torino, Palazzo Cisterna, Torino

1998 Eccentrica, Sala Cassero, Castel San Pietro Terme, Rocca Sforzesca, Imola
Disidentico, maschile, femminile e oltre, Palazzo Branciforte, Palermostampa e della grafica, Roma
Odissea, Museo Revoltella, Trieste

2002 TO1902002 – Manifatture aristocratiche, Palazzo Cavour, Torino

2003 In faccia al mondo, Villa Croce, Genova
Autori / Tratti / Italiani, Casa Tartini di Pirano

2004 Femme fatale, Galleria Zonca e Zonca, Milano
Cromosoma X, Galleria Raffaghello – Ovada, Galleria Sottopasso della Stua
Food design – a pranzo con Babette, Cortile del Maglio, Torino

2005 CLIP‘IT, Rassegna video-arte e musica, Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Torino / British School, Roma / TeatrPavone, Perugia / Biennale Prag „Suoni e visioni“, Galleria Roberto RottaFarinelli, Genova Video .IT 7, Circolo degli artisti, Torino Gemine Muse, Pera Museum, Istanbul

2006 „La donna oggetto“, Castello Sforzesco, Vigevano
In su, nell‘azzuro, come una piuma, Cinque artisti incrociano i cento anni di Samuel Beckett, Scuola Holden, Torino
Video Dia-loghi, Centre culturel francais, Festival di videoarte, Torino

2007 „In sede, che scatto!“, Vice Direzione Generale Gabinetto del Sindaco e Servici Culturali della Città di Torino
„Profumo di Cacao“, Casa dell‘Arte e dell‘Architettura „La Giardiniera“, Torino
„Supermodels II: real vs unreal“, Galleria Lipanje Puntin, Roma

2008 Election day, Villa Capriglio, Torino,
900. Cento anni di creativit. in Piemonte, Museo dei Campionissimi, Novi Ligure, Alessandria

2009 „Home sweet home“, Dorsky Gallery, Long Island City, New York
Made in Turin, Palazzo Birago di Borgaro-sede del direttivo della Camera del Commercio di Torino
Traffic art, Galleria Allegretti, Torino

2010 Contact – S., Luoghi dell‘arte contemporanea, Istituto statale Giorgio de Chirico, Torre Annunziata, Napoli
„Clueless – Inconcludenze quotidiane“, Ex-Manifatture Tabacchi, Torino

2011 „Km 011 – Kilometrozeroundici“, Arti a Torino

1995 – 2011, Museo delle Scienze, Torino

Preise

1995 Premio Mario Ziliani, Antico Oratorio della Passione, Milano

1996 XXVI Premio Suzzara, Galleria Civica d‘Arte Contemporanea, Suzzara

2011 Primo Premio Fabbri per la Fotografia,  Bologna