Mariagrazia Pontorno, Rom

« zurück zum Kunstpreis der VAF-Stiftung 2012

Mariagrazia Pontorno Profil

Die Videoanimationen und die digital generierten Fotografien von Mariagrazia Pontorno halten sich in einem Gleichgewicht zwischen Realität und Fiktion, zwischen Tradition und Moderne. Während das von ihr Dargestellte auf der einen Seite einfach zu erkennen ist, – wobei sie häufig auf Motive aus der Natur zurückgreift –, setzt sie auf der anderen Seite oft auch Effekte ein, durch welche die Sinne alarmiert und gestört werden, wobei dies die Künstlerin selbst als „visuellen Lärm“ definiert. Dieses äußerst artifizielle Element ihrer Arbeit offenbart sich auch in deren bevorzugter Ausführung als 3D-Grafik. Die Bearbeitung in 3D lässt sich dabei in drei Phasen unterteilen: in Wireframing, Texturing und Rendering. Die ersten beiden Schritte, in denen die Modellierung des Objekts und die anschließende Gestaltung der Oberfl.che durch Textures durchgeführt wird, weisen eine enge Analogie zu herkömmlichen Techniken der Bildhauerei und Malerei auf.

In der Tat spricht Mariagrazia Pontorno hier auch mit dem Blick auf ihre Videos von „digitalen Fresken“, denn, vergleichbar mit der antiken Wandmalerei, stellen auch diese ein Fenster dar, durch das ein Ausblick auf eine andere, imaginäre Welt ermöglicht wird. Die Videoarbeiten der Künstlerin sind zudem von sehr kurzer Dauer, wobei durch die Technik der Endlosschleife der Effekt gewonnen wird, dass man einen Augenblick immer wieder neu erleben kann, d. h. man kann eine vergängliche Schönheit wiederholt und ohne zeitliche Begrenzung betrachten. „La Finestra“ (Das Fenster) von 2005 / 2006 ist mit großer Wahrscheinlichkeit das Werk, durch das es möglich war, das Konzept des virtuellen Fensters eingehender zu definieren, um danach 2007 eine Arbeit wie „Giardino di Maresa“ (Garten von Maresa) zu schaffen. Dabei handelt es sich tatsächlich um ein Fenster mit angelehnten Fensterläden als Motiv, durch das in der Dunkelheit leuchtende Sterne sowie sanfte Wolken vor klarem Himmel zu erkennen sind, so dass die Landschaft draußen wahrnehmbar wird. Der Wechsel von der Nacht zum Tag und dann erneut zur Nacht vollzieht sich rasch, wobei er im selben Moment aber auch wie ein schwebender Zustand erscheint, dank der langsamen vom Wind erzeugten Bewegungen der halbtransparenten Vorhänge oder infolge des Lichtspiels der Sonnenstrahlen, die von den Lamellen der Klappläden gefiltert werden. All dies wirkt in der Stille zugleich regungslos wie auch bewegt und so werden ein Tag und eine Nacht im Sommer unvergänglich. Das großformatige, mit Hilfe eines Computerprogramms generierte 3D-Bild „Still life“ (Stilleben), das im Digitaldruck auf Fotopapier hergestellt wurde, weist mehrere interessante Aspekte auf: Die Großaufnahme einer Korniolkirsche in einer Vase vermittelt keinesfalls den Eindruck, den ein klassisches Stilleben normalerweise macht. Die Blütenzweige wirken nicht wie abgeschnitten, sondern scheinen noch mit der Erde verbunden zu sein, während das Raumkontinuum, das sich über den dargestellten Gegenstand hinaus erstreckt, unserem Blick zu einer imaginären Bewegung verhilft. Die Korniolkirsche erscheint als eine personifizierte Darstellung des Lebens auf seinem Höhepunkt, als ein Bindeglied zur Natur, – die im Hintergrund zu sehen ist und die als ein Ausschnitt einer Landschaft in Umbrien gedeutet werden kann –, wie auch als eine Verknüpfung mit der Kultur dieser Region. Die Tradition, – das Spitzendeckchen und das Glas sind Objekte, die in der Familie der Künstlerin seit Generationen weitervererbt wurden –, und die aktuelle Computergrafik vereinen sich an diesem Punkt und erzeugen ein zeitgenössisches Bild der christlichen „Maternità“, wobei man hierbei die Anregungen, die von den künstlerischen Zeugnissen des umbrischen Meisters Perugino ausgingen, nicht vergessen darf.

Manuela Pacella

Lebenslauf

Mariagrazia Pontorno wurde 1978 in Catania geboren, in ihrer künstlerischen Arbeit ist sie konzentriert auf die Disziplinen Video, Videoanimation, Fotografie und Installation. Seit 2004 lehrt sie das Fach „Multimediale Installationen“ an der Akademie der Schönen Künste in Frosinone. Sie lebt und arbeitet in Rom.

Kunstwerke

Pontorno thewindow 1

„The window“, 2005

Das Fenster, la finestra

Technik/Details:

Videoanimation in 3D. Hergestellt mit Hilfe der Firma EDI, Rom.

Pontorno thewindow 2

„The window“, 2005

Das Fenster, la finestra

Technik/Details:

Videoanimation in 3D. Hergestellt mit Hilfe der Firma EDI, Rom.

Pontorno thewindow 3

„The window“, 2005

Das Fenster, la finestra

Technik/Details:

Videoanimation in 3D. Hergestellt mit Hilfe der Firma EDI, Rom.

Pontorno stilllife

„Still life“ , 2011

Stilleben, Natura morta

Technik/Details:

Digital generiertes Bild in 3D. Digitaler Druck auf Papier von Hahnemühle. Hergestellt mit Hilfe der Firma EDI, Rom.
Grösse: 220 × 123 cm

Ausgewählte Einzelausstellungen

2004 Alice Hair Deflector, Galleria Monitor Video & Arte Contemporanea, Roma

2006 Forme dell‘Immateriale, Studio Morbiducci, Roma 

2007 Il giardino di Maresa, Museo Laboratorio d‘Arte Contemporanea, Roma 

2009 Materia, Studio Fellowship, Harlem, New York

2011 Spighe / RINASCENTE, un progetto per le vetrine della Rinascente, a cura di Museo Riso, Palermo Roots, Lithium Project,
Not Gallery, Napoli
Violincielo, AOCF 58, Roma
Violincielo, Murat 122, Bari 

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2004 PEAM – Pescara Electronic Art Meeting, Ecoteca, Pescara

2005 XII Biennal of young artists from Europe and Mediterranean, Visual Arts Section

2006 Arte e Sud, Castello Normanno di Acicastello

2007 Nawafeth, National Museum of Riad, Arabia Saudita
Fiori di Luce – Fra Natura e Artificio, Villa Patrizi, Castel Giuliano

2008 Wunderkammern, Galleria Wunderkammer, Roma

2009 Biennale Giovani, Serrone della Villa Reale Monza Germinazioni, Palazzo della Penna, Perugia
Instant Book – Italian Artists at New York, ISCP, New York
Fra Arte e Natura, Video fusion, FondazioneNoesi, Palazzo Barnaba, Martina Franca

2010 My Generation – Dentro Roma II – Artisti under 35, Museo Pietro Canonica nel Parco della Villa Borghese, Roma
Biennale Giovani, Serrone della Villa Reale, Monza
54. Esposizione Biennale Internazionale d‘Arte di Venezia, Progetto Accademie di Belle Arti (2000 – 2010), Tese delle Vergini dell‘Arsenale, Venezia
Quadratonomade, Scuderie Aldobrandini, Frascati Ommaggio a Graziella Lonardi Buontempo, Museo PAN, Palazzo delle Arti di Napoli
Premio Cairo, Museo della Permanente, Milano