Mariana Ferratto, Rom

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Mariana Ferratto Profil

Mittels ihrer Filmkamera realisiert Mariana Ferratto zwei verschiedene Typen von Videos, die sich aber inhaltlich nicht unähnlich sind. In vielen dieser Videos ist die Künstlerin auch selbst die Protagonistin, wobei sie sich mit einer fest installierten Kamera als Performerin aufnimmt.

In diesen Filmen richtet sie den Fokus auf Paarbeziehungen, auf die Rolle der Frau, auf ihre eigene Position in der Gesellschaft sowie auf die Auseinandersetzung mit ihren argentinischen Wurzeln (siehe dazu ein Werk wie „Senza titolo“ von 2007). In anderen Arbeiten hingegen wird aus der Hauptdarstellerin Ferratto im weitesten Sinne eine Regisseurin, die mit einem kompletten Aufnahmeteam arbeitet, wie in dem 2009 entstandenen Werk „I pesci rossi crescono in base alle dimensioni del loro acquario“ (Die Goldfische wachsen in Abhängigkeit von der Größe ihres Aquariums), das aus vier Einzelprojektionen besteht. Das gilt ebenso für „CIAO“ von 2011, das von ihr in schwarz-weiß im Gare Austerlitz in Paris während ihres Aufenthalts bei der Kunststiftung Cité Internationale des Arts geschaffen worden war. „Scaldami proteggimi“ (Wärme mich – beschütze mich) von 2005 gehört zu der ersten Kategorie ihrer Videos, wobei die Künstlerin sich selbst bei einer 6 minütigen Performance filmt, bei der sie vor einem weißen Hintergrund damit beschäftigt ist, weiße Kleidungsstücke anzuziehen, angefangen mit der Unterwäsche bis hin zur Abdeckung des Gesichts mit einer weißen Maske und bis zur Verhüllung des Kopfes mit einer weißen Mütze und der Hände mit weißen Handschuhen. Die Intention dieser Arbeit besteht darin, mit dem Weiß des Hintergrundes zu verschmelzen und damit unsichtbar zu werden, d. h. sich aufzulösen. Der Titel aber signalisiert auch eine verzweifelte Bitte um Schutz und Fürsorge. Jedoch in letzter Konsequenz wird die Gestalt nicht unsichtbar, sie hebt sich weiterhin – weiß in weiß – vom Fond ab, so bleibt als letzte Möglichkeit nur die Lösung, reine Form zu werden und sich in einen Gegenstand zu verwandeln. Was dann auch so geschieht, dass man die Künstlerin in eine Ecke gekauert sieht, wo sie einen Kontrast zur Geometrie des Raumes bildet. Das Video wandelt sich auf diese Weise von der Präsenz eines Individuums im Raum zu einer Studie über die Reinheit der Formen in der Kunst, womit als überraschendes Ergebnis ein abstraktes Bild erzielt wird. Grundverschieden hiervon ist in der Art der Umsetzung die Arbeit „Nascondino“ (Versteckspiel) aus dem Jahre 2009, denn bei ihr handelt sich um eine Animation, der durch eine serielle Aufnahme von etwa 500 auf Transparentpapier angefertigten Strichzeichnungen realisiert wurde. Die Handlung zeigt das Zusammentreffen einer Frau mit einem Mann, wobei die beiden sich zunächst umarmen und lieben. Jedoch dann ereignet sich unvermittelt etwas Paradoxes, der Mann dringt immer tiefer in die Frau ein und verschwindet zuletzt vollkommen in dem weiblichen Körper zu verschwinden, wobei der Bauchumfang der Frau stetig anwächst. Schließlich, nachdem sie sich noch einmal suchend nach dem Mann umgeschaut hat, sieht sich die Frau alleine gelassen und blickt den Zuschauer mit großen etwas traurigen und fragenden Augen an. Die gesamte Sequenz ist mit der Arie des Papageno aus der Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart unterlegt, unterbrochen von einer schrillen Singstimme einer Sängerin, die als Schlusston die Auflösung des Partners im Akt der weiblichen Empfängnis musikalisch akzentuiert.

Manuela Pacella

Lebenslauf

Mariana Ferratto wurde am 22. November 1979 in Rom geboren, wo sie 1999 eine Ausbildung an einem Kunstgymnasium mit einem Diplom abschloss. In den Jahren 1996 bis 2010 studierte sie modernen Tanz, Kontaktimprovisation und Theatertanz und von 2002 bis 2003 belegte sie einen Kurs für Fotografie in der städtischen Schule für Wissenschaften und Technik in Rom. Daneben absolvierte sie von 2001 bis 2005 ein Kunststudium an der Akademie der Schönen Künste in Rom. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Rom.

Kunstwerke

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„Scaldami proteggimi“
(Wärme mich, beschütze mich), 2005
Videoperformance 5:45 min
Szenenfoto

 

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„Nascondino“ (Versteckspiel), 2009
Zeichentrickfilm
2:10 min

Ausgewählte Einzelausstellungen

2005 „Work up“, rassegna di arte contemporanea, Parabò, Roma

2005 „Why?“ The Gallery Apart presso la Fondazione Pastificio Cerere, Roma

2009 „Inside 4 – Mariana Ferratto – Nascondino“, The Gallery Apart, Roma

2009 „I pesci rossi crescono in base alla dimensione del loro acquario“, The Gallery Apart presso Fondazione Adriano Olivetti, Roma

2010 CIAO, The Gallery Apart, Roma

2010 segna video, Linux. Roma

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2005 „Take five“, Galleria VM21, Roma

2005 „Hard Selling“, FestArte, rassegna di video, Roma

2005 „Play 04“, opere video delle accademie italiane, Galleria Valentina

2005 Moncada Roma, Museo Sperimentale d‘Arte Contemporanea, L‘Aquila

2005 Quarantanove / Prima Visione, rassegna video, Studio Lipoli & Lopez, Roma

2006 Libero Accesso, secondo festival delle arti visive a Ceglie Messapica, Ex convento dei domenicani, Puglia

2006 Premio Razzano, Museo del Sannio, Benevento Give Me Two Times, Museo Laboratorio di Arte Contemporanea (MLAC), Roma

2006 Isola Video 2006, percorso video per raccontare il territorio, Isola Femmine (PA)

2006 „Dissertare / Disertare“, Centro Internazionale per l‘Arte Contemporanea, Castello Colonna, Genazzano

2007 „Latinolatino“, Lamarque Museum & Artlab, Maglie

2007 Attori / Spettatori, Auditorium Parco della Musica, Fondazione Alda Fendi, Brancaleone, Roma

2007 Spazi aperti 5, Accademia di Romania, Roma V Festival Internacional del Cine Pobre, Gibara, Cuba

2008 ART SHAKE, Festival di arte contemporanea, Galleria Civica di Arte Contemporanea, Termoli

2008 „Itinerant Visions – in the frame of Vision Forum“, organised by White Space, Zürich

2008 ABRE TUS OJOS, vari luoghi, Buenos Aires Lucania Film Festival, rassegna di videoarte VIDEOCRAZIA, Pisticci

2008 „HELP YOURSELF“ – become an ego lover, Cordy House, London

2008 XIII Biennale dei Giovani Artisti dell‘Europa e del Mediterraneo, Fiera del Levante, Bari All day video & sound Art, Boots Contemporary Art Space of the Contemporary Art Museum, St. Louis, Missouri

2009 „Summery“, The Gallery Apart, Roma – The making of the citiy / Disegna la tua città, Museo MADRE, Napoli

2009 „Sensualità / sessualità“, Condotto C., Roma

2009 STUDIOVISIT A review on works by young artists. Vysoká Skola Vytvarnych Umeni (Academy of Fine Arts and Design), Bratislava

2010 „FishEye“ – International Experimental Film & Video Festival, Nuovo Cinema Aquila, Roma

2010 Lo spazio bianco – La mostra, 26cc, Roma

2010 „My Generation – Dentro Roma II – Artisti under 35“, Museo Pietro Canonica nel Parco della Villa Borghese, Roma

2010 „L‘imparfaite“, Le Monnaie de Paris, Paris

2010 „Screensavers“ – Open video project in Amidei, 29. Premio Sergio Amidei, Palazzo del Cinema, Gorizia

2010 „Platform – Translation – Interface“, Museo Laboratorio di Arte Contemporanea (MLAC), Università la Sapienza, Roma

2010 „Forever young in the city of the future“, DROME Magazine for Smart Urban Stage, Avenue de la Toison d‘ Or, Bruxelles

2011 54. Esposizione Biennale Internazionale d‘Arte di Venezia, Progetto delle Accademie di Belle Arti, delle Vergini del‘Arsenale, Venezia

2011 „WO-MEN (punti di vista)“, Art project space, Berlin

2011 „Where are you now?“, John Cabot University Art Studio, Roma

2011 „Playlist – The dark side“, Centro di ricerca e documentazione sull‘arte pubblica dell‘Università La Sapienza di Roma

2011 „Reload – Prototipo“, d‘intervento culturale urbano, Ex-Officine automobilistiche, Roma