Michele Manfellotto, Rom

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Michele Manfellotto Profil

Eine der wichtigsten Erfindungen, die unser aktuelles tägliches Leben revolutionieren und die – worüber kaum ein Zweifel bestehen dürfte – mit solchen Erfindungen, wie sie mit dem Rad oder dem Buchdruck gegeben sind, durchaus zu vergleichen ist, trat mit der seit etwa 1980 vorangetriebenen Entwicklung des Internet hervor. Obwohl diese Technik des Datenaustauschs und der Kommunikation in der Praxis von den meisten Menschen weltweit heute ganz selbstverständlich genutzt wird, hat sich ihr Gebrauch als ein eigenständiges künstlerisches Medium noch kaum durchgesetzt. Nur eine geringe Zahl von Künstlern hat sich mit diesem Thema beschäftigt.

Einer der wenigen in Italien ist der aus Rom stammende Michele Manfellotto, dessen Arbeitsweise hier anhand eines seiner Werke, das mit dem Titel „Saturnine“ bezeichnet ist, erläutert werden soll: Manfellotto hat zunächst ein Wort ausgewählt, das in einer Verbindung zu seiner eigenen Biografie steht und dies ist in diesem Fall jener Begriff, der auch als Titel des Werks fungiert. In dem Wort „Saturnine“ steckt der Terminus Saturn, der Name des Planeten, der im Geburtshoroskop des Künstlers eine wichtige Rolle spielt. Zu diesem Begriff ließ Manfellotto sich über ein im Internet gefundenes Programm alle möglichen Anagramme, d. h. Umstellungen der Buchstaben., bilden, wobei mehrer hundert neue Kombinationen herauskamen, von denen wohl nur wenige einen Sinn ergaben.

Diese Wörter ließ er wiederum von einem Programm lesen, das er gleichfalls im Internet fand und das in der Lage war, schriftlich eingegebene Texte zu entziffern. Die Stimme, die sehr mechanisch klingt, liest allerdings die Wörter ohne jegliche Betonung, denn sie versteht den Sinn dessen, was sie liest, nicht. Man hört eine endlose, litaneiähnliche Aneinandereihung von ähnlich klingenden Wörtern, die unwillkürlich an zwei bedeutende musikalische Schöpfungen der Vergangenheit erinnert: an die „Sonate in Urlauten“ von Kurt Schwitters, die in den 1920er und 1930er Jahren entstand und die zu den wichtigsten Texten / Partituren des Dadaismus zählt, sowie auch an die „Music with Changing Parts“, die Philipp Glass 1970 schuf und die eine der zukunftsweisenden Kompositionen der Musik des Minimalismus ist. Was für dieses Werk von Michele Manfellotto gesagt werden kann, nämlich dass es sich in eine lange Reihe von bildnerischen wie auch akustischen Arbeiten einfügt, die unsere Kultur widerspiegeln, das ist auch für andere Arbeiten dieses jungen Künstlers gültig. Im Gegensatz zu den in früheren Zeiten entstandenen Kunstwerken werden diese aber mit den neuen technischenMitteln unserer Zeit realisiert, mit dem Internet und verschiedenen dort auffindbaren Programmen, die erst in den letzten Jahren entwickelt wurden und die heute in der Kunst nutzbar gemacht werden, um neue erweiterte Bereiche und Möglichkeiten des Ausdrucks zu finden. Manfellotto personalisiert jedoch seine Werke dadurch, dass er häufig, manchmal sehr versteckt und für den Betrachter nicht immer einsehbar, bildhafte Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend einbaut, wie z. B. Fernsehsendungen oder Musikstücke. Dadurch, dass diese Erinnerungen auch von anderen Menschen geteilt werden und somit als Teile eines kollektiven Gedächtnisses zu bezeichnen sind, werden auch seine Werke allgemeine Kulturgüter.

Norbert Nobis

Lebenslauf

Michele Manfellotto wurde 1977 in Rom geboren. Von 1996 – 1999 studierte er Filmgeschichte an der Universität in Rom und unternahm gleichzeitig erste Versuche im Bereich der Bildenden Künste mit dem Schaffen von Zeichnungen und von analogen Videofilmen. 2005 nimmt er an einer Gruppenausstellung mit dem Titel „Cattedrale“ in der Fondazione Adriano in Rom teil. Von 2007 bis 2009 lebt er in London, es entstehen weitere Zeichnungen und er experimentiert mit den Technologien der Neuen Medien sowie mit den kreativen Möglichkeiten des Interrnet. Seit 2008 ist er Redakteur bei der italienischen Kunstzeitschrift „Nero“, Er lebt und arbeitet in Rom.

Kunstwerke

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„Saturnine smiles“ (Larry 3 Version), 2011

File Video Quick Time
15:38 min
Vorentwurf für eine Audioinstallation: Digital generierte Anagramme,die mittels eines Computerprogramms gelesen wurden, unterlegt mit Musik, die von der Feldst.rkeanzeige eines Mobiltelefons genommen wurde. Aufgezeichnet vom Desktop eines Computers. |

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„Saturnine smiles“ (San Andreas Version), 2011

File Video Quick Time
15:49 min

Vorentwurf für eine Audioinstallation: Digital generierte Anagramme,die mittels eines Computerprogramms gelesen wurden,
unterlegt mit Musik, die von der Feldst.rkeanzeige eines Mobiltelefons genommen wurde. Aufgezeichnet vom desktop eines
Computers.

Ausgewählte Einzelausstellungen

Post TV – Lo-Fi For the Eyes, Rome International Film Festival, November | Novembre 2010

When in Rome, Italienisches Kulturinstitut | Istituto

Italiano di Cultura, Los Angeles, April | Aprile 2011

Veröffentlichungen

Heaven is Knowing Who You Are, Nero Magazine, # 15 – 23, 2008 – 2010

Turning Of Karma, Nero Magazine, # 25, 2011

See You At, Nero Magazine, # 24, 26, 2011

Wacky Race, Nero Magazine, # 27, 2011

Touchables, Nero Magazine, # 28, 2012  (in Arbeit | in lavoro)