Rosy Rox, Neapel

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Rosy Rox Profil

Den betörenden femininen Appeal, den Rosy Rox in ihrer Kunst zur Wirkung bringt, könnte man – vom bloßen Anschein her beurteilt –, als eine Stimulierung von Männerphantasien der frivolsten und sexistischsten Sorte deuten. Sieht es doch so aus, als würde hier ein glamouröses Ritual der willigen Unterwerfung und des Lustversprechens inszeniert, das die orgiastische Atmosphäre im mythischen Venusberg ebenso suggeriert wie es das Klima in einem Rotlichtviertel unserer Zeit vergegenwärtigt.

Wer dies so annimmt, der ist aber schon bereits in die Falle seines eigenen Machismo geraten, denn Rosy Rox will alles andere sein, als ein Objekt der Begierde, sie ist eher Domina als Lustsklavin, eher Penthesilea als jene Phryne, die nichts weiter als ihre körperliche Attraktion als Argument anzubieten hatte, als sie in Athen wegen ihrer eitlen Behauptung angeklagt war, sie sei nicht nur das Modell für die Statue der Aphrodite, die Praxiteles geschaffen hatte, sondern sie sei selbst diese Göttin. Doch Phryne hatte mit ihrer wohl ersten Entblößungsperformance der Geschichte Erfolg, die Richter ließen sich von ihrer Schönheit überzeugen und sprachen sie frei. Nun haben der nackte Körper als Ausdrucksinstrument und die physische Schönheit zusammen mit ihren sinnlichen Anmutungen einen sehr hohen Stellenwert im Ausdruckswollen von Rosy Rox und auch das Erotische und Verführerische spielen bei ihr eine wichtige Rolle, doch ihr geht es mehr darum, „körperliche Symbole und Metaphern“ zu vergegenwärtigen, sowie „verhexende und Gefahren verheißende Skulpturen“ zu kreieren, die zugleich „attraktiv und abstoßend“ sind und „die durch ihren kostbaren Glamour und durch das Spiel mit der gefährlichen femininen Verführungskunst“ verzaubern (Eugenio Viola). Will man bei der Interpretation der Botschaft von Rosy Rox weiterkommen, dann muss man dort ansetzen, wo sie selbst das Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit sieht, und das ist die körperliche Aktion, die rituelle Handlung in ihren Performances, in denen sie sich gleichsam bildsprachlich äußert. Beispielhaft hierzu ist jene Vorführung, der sie den Titel „Mi infrangerò nella tua sentenza“ (Durch deinen Richterspruch werde ich gebrochen) gab und bei deren Inszenierung ein großes drehbares, weiß lackiertes und ornamental verziertes Rad zum Einsatz kommt, das nicht zufällig an die Rosenfenster gotischer Kathedralen erinnert. Indem sie sich nackt in der Haltung einer Gekreuzigten an die Speichen dieses Rades hängt, was sie sinnvollerweise erstmals in der Chiesa dell‘Addolorata (Kirche der Schmerzensmutter) in Salerno tat, weckt sie ein ganzes Spektrum an Assoziationen, die von christlichen Martyrien und mittelalterlichen Foltern über die Praktiken der Inquisition bis zum alltäglichen Erleiden körperlicher Gewalt in unserer Zeit reichen. Dass es im Mittelalter eine Foltermethode gab, bei der die Delinquenten auf ein Wagenrad „geflochten“ wurden, soll hier nur angemerkt sein.

Die Themen, die um Gewalt und um Folter kreisen, kehren dann auch in ihren Objekten wieder, die oft den Eindruck erwecken, als seien sie Requisiten für masochistische Sexpraktiken oder aber für militärische Ausrüstungen von Amazonenkriegerinnen. Dabei steht ihr Schmerzen verursachender und Tod bringender Zweck nur scheinbar in einem Widerspruch zu ihrer luxuriösen Optik, für die geschliffene Kristalle und glitzernde Glasperlen aufwendig verarbeitet wurden.

Klaus Wolbert

Lebenslauf

Rosy Rox wurde 1976 in Neapel geboren und sie absolvierte dort zunächst eine künstlerische Ausbildung am Kunstinstitut „Filippo Palizzi“. Anschießend studierte sie an der Akadenie der Schönen Künste in Neapel. Im Jahre 2009 besuchte sie einen von Yumiko Yoshika geleiteten Workshop zum Thema „Body Resonance“ auf Schloss Broellin in Mecklenburg und 2000 belegte sie einen Kurs für Fortgeschrittene im Fach „Visuelle Kunst“ bei Ilya Kabakov. Sie lebt und arbeitet in Neapel.

Kunstwerke

Rox miinfrangeronellatuasentenca 1

„Mi infrangerò nella tua sentenca“, 2009

Durch deinen Richterspruch werde ich gebrochen

Technik/Details:

Eisenblech lackiert, Kristalle aus geschliffenem Glas. Foto: Salvatore di Vilio.
Grösse: 225 x 40 x 200 cm

Rox flail

„Flail“, (Morgenstern | Mazza ferrata), 2007

Technik/Details:

Eisen, Aluminium Glaskristalle, Leder. Foto: Salvatore di Vilio.
Grösse: 180 × 110 × 70 cm

Rox whip

„Whip“ (Peitsche | Frusta), 2005

Technik/Details:

Eisen, Glaskristalle, Leder. Foto: Salvatore di Vilio.
Grösse: 200 × 75 × 55 cm

Rox Morgensterne 1

„Morgensterne“ (Lanze | Lancia), 2011

Sammlung Biedermann. Donaueschingen

Technik/Details:

Eisen, Aluminium, Holz, Glaskristalle, Umwicklung des Schaftes mit Leder, Daunenfeder,
Aluminiumguss.

Grösse:  300 × 35 × 35 cm

Rox Morgensterne 2

„Morgensterne“ (Lanze | Lancia), 2011

Sammlung Biedermann, Donauschingen

Technik/Details:

Eisen, Aluminium, Holz, Glaskristalle, Umwicklung des Schaftes mit Leder, Daunenfeder, Aluminiumguss.
Grösse: 300 × 35 × 35 cm

Rox Morgensterne 3

„Morgensterne“ (Lanze | Lancia), 2011

Sammlung Biedermann, Donaueschingen

Technik/Details:

Eisen, Aluminium, Holz, Glaskristalle, Umwicklung des Schaftes mit Leder, Daunenfeder, Aluminiumguss.
Grösse: 300 × 35 × 35 cm

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„Mi infrangerò nella tua sentenca“ (Durch deinen Richterspruch werde ich gebrochen), 2009
Performance in der Kirche der Schmerzensmutter
Szenenfotos
70 x 50 cm

Courtesy Galleria Paola Verrengia
Foto: Gennaro Navarra

Ausgewählte Einzelausstellungen

1999 Christian, Ibridazioni, Ciclo Interzone, Associazione Zenit, Torino

2004 Rame Rapiscimi, Changing Role Project, Napoli

2005 Stark Rot, Torre Saracena, Ischia
Stark Rot, Palazzo Cellammare, Napoli

2007 Torture, with Changing Role, ImPULSE, Miami

2009 Lotus Flowers, Galleria Paola Verrengia,  Salerno

2011 Le Robe, Corpus-Arte in Azione, Museo MADRE, Napoli

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2000 Final work, Fondazione Antonio Ratti, Como
Tracce di un seminario, Esposizione Via Farini, Milano

2001 Spur, Galerie Spurung, Krefeld

2003 Delirio, Castello Svevo di Trani, Bari

2004 Forma e colore, Fonopoli, Roma

2005 Those Misunderstood, Università Federico II, Capua / Caserta
HP, Hype Galleria, Milano
Flash Art, Bologna
La dolce vita, Cianciano Terme

2006 Wonderwoman, Museo Città della Scienza, Napoli
Set / Afrique, Lecce

2007 Dangerous Beauty, Palazzo delle Arti (PAN), Napoli
Arte e Omosessualità, Palazzo della Ragione, Milano, e Palazzina Reale, Firenze
Let Me Be More Light, Belvedere di San Leucio, Caserta

2008 Sistema Binario, Stazione Ferrovia Mergellina, Napoli
Gravity, Ernesto Esposito Collection, Artium, Vitoria

2009 Emergency Room, Palazzo delle Arti (PAN), Napoli
Lunatiche: Eotica Eretica Eroica, Chiesa dell‘Addolorata, Complesso Monumentale di Santa Sofia, Salerno
A tutto tondo, Galleria Paola Verrengia, Salerno
Campioni d‘Arte 33, Museo Madre, Napoli

2010 Tenth International Biennial of Miniature Art, Centre Gornji Milanovac (Srbija)
Il corpo della città, OFCA, Caserta

2011 If on a Winter‘s Day Traveller, 6. Edizione dell‘ART FIRST, ARTE FIERA, Bologna