Simone Pellegrini, Bologna

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Simone Pellegrini Profil

Simone Pellegrini ist Zeichner und Drucker in einer Person und er hat für sich eine unverwechselbar pers.nliche Zeichensprache entwickelt, in der alles Spontane, Seismografische und Gestische ausgeschlossen ist. Wichtig ist dabei, sich die Beziehung zu vergegenwärtigen, die zwischen den Begriffen Zeichen und Zeichnung besteht und die hier deutlich wird. Wichtig aber auch, ist es zu wissen, wie diese Arbeiten auf Papier entstehen, wozu man vor allem berücksichtigen muss, dass Pellegrini in ihnen eine komplexe Kompilation vollzieht, eine Klitterung der Motive aus vielen Einzelteilen.

Pellegrinis Sprache ist eine Sprache der Bilder, in der fast identische Zeichen in immer neue Zusammenhänge gebracht werden. Zentral ist dabei die Technik der Monotypie, d. h. eine Methode der Bildherstellung, bei der ein Papier auf eine Platte aufgebracht wird, auf die zuvor Farbe flächig aufgewalzt wurde, um dann in einem weiteren Schritt auf die oben liegende Seite des Papiers mit einem Metall- oder Holzstift eine Zeichnung aufzubringen, wobei dies seitenverkehrt geschieht. Es ist also ein Durchdrückverfahren, bei dem man dann, wenn man das Papier abnimmt, auf dessen zuvor der Farbplatte zugewandten Seite eine kräftige und markante Zeichnung gewinnt, bei der leichte Verschmutzungen als Folge des Kontakts mit der Farbe und auch unsauber oder verfleckt abgedruckte Linien den besonderen Reiz des Zufälligen mit einbringen. Außerdem ist es ein Charakteristikum der Monotypie, dass – wie ihr Name schon besagt – stets nur ein Abdruck möglich ist, Monotypien sind demnach immer Unikate. Als Erfinder gilt der Genueser Maler Giovanni Benedetto Castiglione (1610 – 1665), der im Zuge der Beschäftigung mit den Radierungen von Rembrandt diese Technik entwickelte.

Wer einmal im Studio von Pellegrini war, der erinnert sich an eine Brandung von Papierfragmenten, durch die er sich dort fortbewegen musste, denn der Raum war erfüllt von Anhäufungen rußig schwarzer Zeichnungen, die der Künstler benutzte, um sie spiegelverkehrt auf dem in Arbeit befindlichen Papierbogen durchzupausen. Anschließend entledigte er sich dann dieser Hilfsmittel wieder. Als Farbsubstanz, die für die Monotypie erforderlich ist, setzt Pellegrini stark .lhaltige Farben ein, durch deren Berührung und Vereinigung mit dem Papier, dieses das Aussehen von Pergament erhält. Die großen Blätter haben nicht selten einen symmetrischen Aufbau und sie vermitteln die Anmutung sehr alter Codices mit naturwissenschaftlichen, medizinischen, alchimistischen, mythologischen oder auch esoterischen Inhalten. Sie ziehen uns in ihren Bann und fordern dazu auf, sie zu entschlüsseln – doch genau dieser Absicht verweigern sich diese geheimnisvollen Chiffren. Ihr erzählerisches Zeichenrepertoire, das aus Gefäßen und Organen, Köpfen und Gliedmaßen, Samenständen und Flammen, Unterwasserorganismen und konzentrischen Kreisen besteht, die aber auch oft wie Pläne von fremdartigen Architekturen erscheinen oder wie Beschreibungen einer Welt, die mehr auf Visionen als auf der empirischen Erfahrung beruht, lässt sich letztlich doch nicht als eine ikonografisch sinnvolle emblematische Botschaft lesen. Die komplexen Montagen von Bildern, Figuren, Tieren, Symbolen und Lineaturen sind primär phantasievolle Fixierungen von nur tiefenpsychologisch ergründbaren Imaginationen einer individuellen Mythologie, die ihre Quelle in der Poesie, in der Mystik, in der Archäologie, in der Ethnologie und in Vorbildern prähistorischer – vor allem au.ereurop.ischer – Kunst hat, dem Versuch einer rationalen Decodierung öffnen sich diese Blätter nicht.

Pellegrinis Maxime im Bezug auf seine künstlerische Arbeit, hat mit dem Wunsch zu tun, dass die Arbeit selbst einen anonymen Charakter besitzt, wobei er dies selbst mit den Worten „ poter vedere il mio lavoro come se non fosse esclusivamente mio ma come se venisse da altrove“ (Man könnte meine Werke so sehen, als seien sie nicht exklusiv von mir, sondern als ob sie von woanders her kämen) zum Ausdruck bringt. Der Prozess der Übertragung der einzelnen Zeichen in das endgültige Bildgeschehen und die Vernichtung des ursprünglichen Bildmusters, d. h. der Matrix, die erst durch die Sichtbarmachung mittels des mittelbaren Verfahrens der Monotypie objektiviert wird, deuten auf den Wunsch hin, die Subjekte wie auch das Individuum auszulöschen, wobei das Ergebnis nichts anderes ist, als die Visualisierung von subjektiven Imaginationen eines Künstlers, der nach einer poetischen Welterkl.rung sucht, nach einer subtilen und geistvollen Deutung des Rätsels der Schöpfung, die sich gegen eine nur rationale, positivistische und wissenschaftlich exakte Erklärung der „Natur“ richtet.

Peter Weiermair

Lebenslauf

Simone Pellegrini wurde am 18. Juli 1972 in Ancona geboren. Er absolvierte ein Kunststudium an der Akademie der Schönen Künste in Urbino, das er im Jahre 2000 mit einem Diplom im Fach Malerei abschloss. Er lebt und arbeitet in Bologna.

Kunstwerke

Pellegrini conversazione azimutale

„Conversazione azimutale“, 2010

Azimutales Gespräch

Technik/Details:

Mischtechnik und Monotypie auf Papier.

Grösse: 55 × 108 cm

Pellegrini intricazione

„Intricazione“ (Verwicklung), 2011

Technik/Details:

Mischtechnik und Monotypie auf Papier.

Grösse: 105 × 252 cm

Pellegrini cerimonia

„Cerimonia“ (Zeremonie), 2011

Technik/Details:

Mischtechnik und Monotypie auf Papier.

Grösse: 96 × 196 cm

Pellegrini punto di voltata

„Punto di voltata“ (Umkehrpunkt), 2010

Technik/Details:

Mischtechnik und Monotypie auf Papier.

Grösse: 74 × 150 cm

Ausgewählte Einzelausstellungen

1997 Il Salasso, Atelier dell‘Arco Amoroso, Ancona

2000 Ken‘s Art Gallery, Firenze

2002 Naibi, Ken‘s Art Gallery, Firenze
Carte Barbare, Galleria L‘Affiche, Milano

2003 Leporie, Galleria 41 Arte Contemporanea, Torino
Pandemonio, Galleria Carloni Spazio Arte, Frankfurt am Main
Rovi da fare calce, Galleria Cardelli & Fontana, Sarzana

2004 I muschi del sentiero, Bonioni Arte, Reggio Emilia

2005 Trenta Moggi, Galleria Sergio & Thao Mandelli, Seregno
KRN, Galleria delle Battaglie, Brescia

2006 Isolari, Galleria L‘Ariete, Bologna
Stille, Galerie Hachmeister, Münster
Pellegrini – Baricchi – Spezzare il tetto della casa, Galleria Traghetto, Roma
Blasoni, Galleria 41 Arte Contemporanea,  Torino
Fovee, D406 Arte Contemporanea, Modena

2007 Simone Pellegrini, Galleria Spazio Mazzotta, Milano

2008 Qualcosa di personale, Palazzo della Borsa, Genova
Simone Pellegrini – Luca Caccioni, Galerie Fabrice Galvani, Toulouse 

2009 Sayr, Galleria L‘Ariete, Bologna
Begierde, Galerie Hachmeister, Münster
I contorni del sentire, Galleria Goethe 2, Bolzano

2010 Jus. Il gusto nel suo mondo, Galleria Cardelli & Fontana, Sarzana

2011 Mentiti Saggi, Libreria Labirinto, Casale Monferrato

Ausgewählte Gruppenausstellungen

1996 Architettura del Cielo, Conventino Servi di Maria, Monteciccardo
Arte Viva, VIII Festival Europeo, Senigallia

1997 Collettiva di Arte Contemporanea, Rocca Ubaldinesca, Sassocorvaro

1998 Trevi Flash Art Museum, Palazzo Luccarini,  Trevi

2000 Turi, Palazzo Marchesale Venusio Palazzo Ducale, Sale del Castellare, Urbino

2001 Corporate Identity, Galleria En Plein Air Arte Contemporanea, Pinerolo
In natural mente, Villa Benzi Zecchini, Caerano S. Marco FigurAzione, Galleria d‘Arte Contemporanea, Santa Sofia

2002 Incidere – Grafica d‘Arte dell‘Accademia di Belle Arti di Urbino 1970 – 2002, Palazzo del Collegio Raffaello, Urbino
En Viaje, Antiguo Museo de Bellas Artes de Castellón, Castellón de la Plana 18 × 24, Galleria 41 Arte Contemporanea,  Torino

2003 Wulbari, Galleria En Plein Air Arte Contemporanea, Pinerolo
Incidere, Rocca Malatestiana Montefiore Premio Lissone 2003, Civica Galleria d‘Arte Contemporanea di Lissone

2004 Artissima 2004, Galleria Cardelli & Fontana, Sarzana Matinèe, Galleria Nina Pi, Ravenna
Animalia, Galleria Forni, Milano
Presepi, Galleria Cristina Busi, Chiavari
Cauda Pavonis, Galleria Andrea Arte Contemporanea, Vicenza
Aperture, Rassegna Internazionale d‘Arte G. B. Salvi, Sassoferrato

2005 Presenze, Galleria Cristina Busi, Chiavari
Cuori selvaggi, Fondazione di Ca‘ la Ghironda, Zola Predosa, Palazzo del Podesta, Rimini
Il ritorno inesistente, ChieriTirana

2006 Galleria Iris Shkoder, Albania
Collezione Artan Shabani, National Gallery of Arts, Tirana
„Porte aperte“, Galleria delle Battaglie, Brescia
„Fe-Male“, Galleria L‘Ariete, Bologna

2007 Art Cologne in Palma de Mallorca, Galerie Hachmeister, Münster
Zeichnungen, Collagen, Fotografien, Galerie Biedermann, München
Drawings 1914 – 2007 – from Ensor to Pellegrini, Galerie Hachmeister, Münster
„Sine Die“, Museo d‘Arte Contemporanea, Gibellina
„Ritratto di un quadro“, LIBRA Arte Contemporanea, Catania

2008 „Generazioni a confronto“, Officina delle Arti, Reggio Emilia
„Mengenlehre“, Galerie Hachmeister, Münster
Premio Cairo, Museo della Permanente, Milano
„Set Theory“, Galerie Hachmeister, Münster

2009 „Il diavolo e l‘Acquasanta“, Palazzo Paolo V, Benevento
„Vegetando“, Convento di Santa Caterina, Finalborgo
„Agalmata“, Musei Civici e Galleria Bonioni Arte, Reggio Emilia

2010 „Crossover“, Galerie Hachmeister, Münster
„Quadrivio“, Galleria Bonioni, Reggio Emilia
„Logos“, Opere su carta da Oppi a Baechler, Galleria L‘Ariete, Bologna
„Pagine da un bestiario fantastico“, Galleria Civica di Modena
„Lezioni di tenebra“, Pescherie di Lugo

2011 „Never talk to strangers“, Edel Assanti Gallery, London
54. Esposizione Biennale Internazionale d‘Arte di Venezia, Padiglione Italia, Arsenale, Venezia
„Natura Anfibia“, Galleria MC 2, Milano