Kunstpreis der VAF-Stiftung 2014

Zum sechsten Mal in kontinuierlicher Folge seit dem Beginn im Jahre 2003 setzt die VAF-Stiftung auch 2014 ihre ambitionierte Ausstellungsserie zu aktuellen Positionen talienischer Kunst fort, wobei sie gleichzeitig auch wieder den von ihr alle zwei Jahre ausgelobten Kunstpreis an eine Teilnehmerin oder an einen Teilnehmer dieser Ausstellung vergeben wird.

 Impressionen zum Kunstpreis der VAF-Stiftung 2014

Entscheidungen zu den Preisvergaben im Rahmen der 6. Ausstellung zum Kunstpreis der VAF-Stiftung 2014

Endlich, nach einer langen Wartezeit, in der die Namen der Prämierten noch unter Verschluss gehalten worden waren, wurden am Abend des 29. November 2014 während der Eröffnung der Ausstellung „Aktuelle Positionen italienischer Kunst“ im Palazzo della Penna in Perugia vom Präsidenten der VAF-Stiftung Dr. Klaus Wolbert die Gewinner  bekanntgegeben sowie die Urkunden überreicht. Zum ersten Mal waren es drei Preise, die im Rahmen der 6. Folge der alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerbs-Ausstellung von der VAF-Stiftung vergeben wurden, die Prämierung des Jahres 2014 war gestaffelt in einen  Hauptpreis und in zwei Anerkennungspreise, wobei der Hauptpreis mit Euro 15.000,00 dotiert ist und die Anerkennungspreise mit jeweils Euro 5.000,00.

Die Jury der VAF-Stiftung , welche sich personell zusammensetzte aus den Kuratoriumsmitgliedern Volker W. Feierabend, Lorand Hegyi, Silvia Höller, Norbert Nobis und Peter Weiermair sowie dem Vorstand Klaus Wolbert entschied einstimmig, den Hauptpreis für das Jahr 2014 an Elisabetta Novello zu vergeben.

MARIA ELISABETTA NOVELLO Geboren 1974 in Vicenza, lebt und arbeitet in Gonars bei Udine. In Anerkennung ihres einzigartig eigenwilligen und in jeder Hinsicht überzeugenden kreativen Schaffens, in dem sie die stofflichen und semantischen Anmutungen von Asche als ein persönliches Mittel der künstlerischen Gestaltung einsetzt, verleiht die Jury der VAF-Stiftung ihren Hauptpreis der Künstlerin Elisabetta Novello. Überzeugend für die Jury war die kreative Fähigkeit der Künstlerin, dieser ungewöhnlichen und flüchtigen Substanz sowohl packende ästhetische Lösungen sowie äußerst diffizile Ausdruckswerte abzugewinnen, wobei sie auch gänzlich neue materialästhetische, semantische, environmentale und performative Sinngehalte erschließt. Neben ebenen Gestaltungen auf einer Bodenfläche verwendet sie Asche auch in multimedialen Installationen oder im Rahmen von Objekten.

Die ausgestellten Werke von ihr waren:

Ricamo“ (Stickerei), 2013
Kreisrunde filigrane Bodeninstallation, bestehend aus Aschestaub und in einer Ornamentik, die sehr bewusst und in nostalgischer Intention an die kunstvoll durchbrochene Häkelarbeit von traditionellen Spitzendeckchen erinnert. Durchmesser zwischen 6 Metern und 4 Metern je nach der vorhandenen Raumsituation.

Causa – Effetto“ (Ursache – Wirkung), 2007
Video-Installation, bei der helle Aschewolken von den rhythmischen Vibrationen der konkaven Membran eines Tieftonlautsprechers hochgeschleudert werden, wobei die Intervalle der Klangimpulse dem Takt des Herzschlags der Künstlerin entsprechen. Die Eruptionen der Asche werden dabei von einer kleinen Kamera aufgenommen und unmittelbar mittels eines Projektors als Bilder an die Wand geworfen. Die nebulösen Phänomene, die dabei zu beobachten sind, haben eine ebenso suggestive wie auch meditative Wirkung. Raummaße variabel.

Außerdem wurden die Künstlerin RÄ DI MARTINO aus Turin und GIANLUCA VASSALLO aus San Teodoro (Sardinien) mit den folgenden Begründungen mit Anerkennungspreisen bedacht.

RÄ DI MARTINO – Geboren 1975 in Rom, lebt und arbeitet in Turin und New York. Sie erhielt In ungeteilter Würdigung ihrer singulären künstlerischen und dramaturgischen Gestaltungsvermögen, die sie in konzeptionell wie auch inszenatorisch exzellent gelungenen filmischen Kurzgeschichten unter Beweis stellt, einen der Anerkennungspreise der VAF-Stiftung für das Jahr 2014. Entscheidend dafür war ihre schöpferische Begabung, dokumentarische Tatsachen der alltäglichen Realität wie auch menschliches Interagieren in epische oder auch szenisch packende wie  befremdliche Erlebnisdimensionen zu transformieren, wobei das scheinbar empirisch Bekannte in subtiler Weise zum Rätselhaften und zum Imaginären tendiert. Immer gelingt es ihr, surreale, phantastische, unerklärbare oder auch irritierende Ereignisse zu schaffen, welche nicht selten die üblichen Gewissheiten des menschlichen Urteilsvermögens auf die Probe stellen.  

Die ausgestellten und prämierten filmischen Werke von ihr waren:

The Picture of Ourselves“ (Unser Selbstbild), 2013
Video-Film in schwarz/weiß Sequenz, aufgenommen mit meist starrer Kamera, die eine eigenartige spielerische Interaktion zwischen einem bärtigen Mann und einem noch kindlichen Mädchen zeigt, wobei der Mann das Kind mit seinen Händen an den Knöcheln umklammert, so dass dieses, von ihm mit unbeweglich ernster  Mimik und mit frontaler Körperstellung präsentiert, mit dem Kopf nach unten und mit dem Gesicht nach vorn, in der Luft hängt. Die Frage, ob hier ein sexistisches Motiv vorliegt, wird zwar intentional insinuiert, findet aber nicht wirklich eine Antwort. Durch den dunklen Typus des Mannes und durch den nymphenhaften Ausdruck des Mädchens werden hier in jedem Fall tiefsitzende Vorurteile aktiviert, mit deren Gültigkeit sich die Betrachter selbstreflexiv auseinandersetzen sollten.

Copies récentes de paysages anciens“ (Aufnahmen von antiken Landschaften in der Gegenwart), 2012
Video-Film mit Szenen, die sie in der Wüste in Tunesien oder auch in Marokko innerhalb von  baulichen Hinterlassenschaften geschaffen hat, die einst in aufwendigen US-Filmproduktionen als Kulissen dienten, wobei es sich dabei meist um antikisierende Filmsets für das Genre des spektakulären und pittoresken Historien-Films bzw. um Drehorte für Science-Fiction Sagas oder um Westernfilme handelte. Diese Relikte sind für sie quasi szenische Objets trouvées, die sie in eine neue, von ihr konzipierte Dramaturgie sowie in eine imaginativ erfundene Erzählung einbindet.


GIANLUCA VASSALLO – geboren am 14. April 1974 in Castellammare di Stabia, wohnhaft in San Teodoro auf Sardinien. Auch ihm wurde In besonderer Würdigung seines bemerkenswert individuellen fotografischen Konzepts ein Anerkennungspreis des Jahres 2014 zugesprochen. Entscheidend für diese Vergabe war die Tatsache, dass Vassallo die Fotografie als ein Mittel in einer immer persönlich engagierten, interaktiven und kommunikativen Auseinandersetzung mit den Bedeutungen von Menschen, Situationen und Orten einsetzt. Dabei sprengt er die Grenzen der Gattung der Fotografie deshalb in beeindruckender Weise, weil bei ihm immer die konsequente Verwirklichung eines ausgearbeiteten Projekts im Vordergrund steht. Es geht ihm stets um eine gedankliche Auseinandersetzung mit vielfältigen Fragen des Lebens wie auch mit der Existenz seiner – von ihm meist zufällig auf der Strasse getroffenen – Modelle, bei denen für ihn das jeweils einmalige Erscheinungsbild und der seelische Ausdruck von diversen menschlichen Individuen von Interesse ist. 

Das ausgestellte Werk von ihm war:

B Side: Postcards from the outskirts #3 (Venice Edition)“ – (Postkartenmotive von Außenbezirken #3 Venedig Projekt)
51 fotografische Aufnahmen von urbanen Situationen und von Menschen in den Außenbezirken von Venedig, wobei sein Anliegen darauf zielt, in kritischer Intention reale Gegenbilder zu jenen illusionären Szenerien, visuellen Attraktionen und beeindruckenden Bauwerken zu schaffen, für die Venedig weltweit berühmt ist und deren Ansichten millionenfach in Form von Bildpostkarten in aller Welt verbreitet werden. Aus diesem Grunde benutzte auch Vassallo für seine Reportage der eher weniger attraktiven Peripherien des Sehnsuchtsziels Venedig das Medium der illustrierten Postkarte. Diese Karten, die auf schmalen Konsolen in der Ausstellung präsentiert wurden, durften von den Besuchern unentgeltlich mitgenommen werden.

 

Ausstellungskatalog

Premio Artistico 2014

Dieser von der VAF-Stiftung herausgegebene Katalog, der zum 6. Male in Folge das aktuelle Schaffen junger italienischer Künstlerinnen und Künstler beispielhaft dokumentiert, ist das Begleitbuch zu der Ausstellung, die dem im Turnus von zwei Jahren ausgelobten Kunstpreis der Stiftung regelmäßig vorausgeht. Die Werkschau dieser Ausstellung, die gleichfalls von den Verantwortlichen der VAF-Stiftung inhaltlich und personell konzipiert und vorbereitet wurde, dient nicht nur als eine Vorauswahl für die definitive Preisentscheidung, sie ist auch Gegenstand einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit der VAF-Stiftung mit renommierten Kunsteinrichtungen, in denen diese Präsentation italienischer Kreativität der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Im Jahre 2014 ist dies als erste Station das SCHAUWERK Sindelfingen, in dessen Ausstellungsgebäude die Schau vom 9. Februar bis zum 27. April 2014 ein ideales Ambiente findet. Im Anschluss daran wird dann diese italienische Kunst-Manifestation vom 24. Mai bis zum 28. August 2014 in der Stadtgalerie in Kiel zu sehen sein.

   Alle Informationen zum Katalog

Die Ausstellungsorte

schauwerk sindelfingen2

SCHAUWERK
Sindelfingen
9. Februar 2014  bis 27. April 2014

  » Ein Grußwort von Barbara Bergmann

Kiel

Stadtgalerie
Kiel
24. Mai 2014  bis 31. August 2014

  » Ein Grußwort von Wolfgang Zeigerer

Palazzo della Penna

Palazzo della Penna
Perugia
29. November 2014  bis 25. Januar 2015

Die Teilnehmer

Guglielmo Castelli

Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit, Unstabilität und eine merkwürdige Fluidität prägen die fragmentierte Bildwelt von Guglielmo Castelli’s Zeichnungen. Die nicht immer klar definierbaren Gegenstände und die menschlichen, tierischen Körper, oder Pflanzen, beziehungsweise Körperfragmente bilden eine kohärente, gleichzeitig aber enigmatische und verzauberte Mikro-Reali...

 mehr Informationen

Flavio De Marco

Flavio de Marco ist ein Maler, und eigentlich könnte man ihn sogar eingrenzend als Landschaftsmaler bezeichnen, denn im Grunde ist die Landschaft in seinem Werk auf irgendeine Weise immer präsent. Dennoch wird man sich häufig schwer tun, in seinen Gemälden tatsächlich Landschaften auch zu erkennen. Seine Bilder sind gleichzeitig gegenständlich und abstrakt, erkennbar ...

 mehr Informationen

Marco di Giovanni

Marco Di Giovanni arbeitet in seinen Skulpturen und auch Rauminstallationen mit Materialkontrasten. Meist kombiniert er verschiedene Fundstücke, in deren Innern er verschiedene optisch vergrößernde oder verzerrende Lupen vor Bildern oder Lichtprojektionen einsetzt. Dabei begrenzt er seine künstlerische Erweiterung auf ein Minimum, um die vorherige Funktionalität der F...

 mehr Informationen

Rä di Martino

Seit es den Film gibt, hat sich unsere Wahrnehmung der Welt grundlegend verändert. Zunächst nur als Mittel der Dokumentation eingesetzt, wurde recht bald der Film als Spielfilm, als Fiktion eingesetzt, die jedoch kaum noch von der Realität unterschieden werden konnte. Man entdeckte unter anderem auch die Möglichkeit, die Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen ...

 mehr Informationen

Zoè Gruni

Mythen, Aberglaube, Rituale oder schamanische Traditionen sind zentrale Ausgangspunkte im Werk von Zoè Gruni. Nach der Theorie zum kulturellen Gedächtnis des deutschen Ägyptologen und Kulturwissenschaftlers Jan Assmann sind solche irrationalen Zugänge ein prägender Teil gesellschaftlicher Erinnerungskultur und dienen als eine Art Sinnreservoir. Auch in der Kunst gewan...

 mehr Informationen

Jacopo Mazzonelli

Jacopo Mazzonelli als Erfinder einer bedeutungsvollen Objektsemantik sowie als einen kreativen Gestalter von signifikanten visuellen Sinnkonstellationen zu bezeichnen, dies dürfte ziemlich exakt den Kern seiner künstlerischen Anliegen treffen. Er ist ein in höchstem Maße von gedanklichen Ideenfindungen ausgehender Künstler und er agiert dabei auf einem hohen intellekt...

 mehr Informationen

Margherita Moscardini

Kontemplativ und komplex wirken Margherita Moscardinis Werke, in denen sie Raum und Zeit, Landschaft und Architektur, Bild und Illusion miteinander verschränkt. Im Mittelpunkt ihres Interesses stehen Transformationsprozesse, Aneignungen und Bedingungen, die eine Veränderung und Verwandlung bewirken. Diesen Kontext versucht sie in ihren ortsbezogenen Werken zu vermitte...

 mehr Informationen

Caterina Nelli

Die in der Ausstellung zum Kunstpreis der VAF-Stiftung gezeigten Werke von Caterina Nelli entstanden alle im Zusammenhang mit mehreren Reisen nach Japan, wohin sich die Künstlerin in den Jahren 2012 und 2013 begeben hatte, um vor Ort der von dem Philosophen und Kunsthistoriker Yangai Soetzu begründeten Mingei Bewegung nachzugehen, mit der sich die Künstlerin bereits s...

 mehr Informationen

Maria Elisabetta Novello

Das zentrale Material, mit dem Maria Elisabetta Novello arbeitet, ist Asche. Sie nutzt die unterschiedlichen Farben, die je nach Verbrennungsgrad und Ausgangsholz entstehen. Nadelhölzer bilden eine dunkle Asche, während Buchenholz grau-weiß verbrennt. Grundsätzlich gilt, je höher der Verbrennungsgrad, desto heller die Asche. Zerriebene Kohle und Asche dienen der Künst...

 mehr Informationen

Giovanni Ozzola

Giovanni Ozzola arbeitet vorwiegend mit Fotografie und Video, bindet in seinen Skulpturen und Installationen aber auch verschiedene Materialien wie Fundstücke ein. Neben der Erforschung der physikalischen Eigenschaften von Licht ist ein zentrales Thema seiner Arbeit die Untersuchung, wie sich der Mensch in Raum und Zeit platziert. Grundlegend ist für ihn dabei die phi...

 mehr Informationen

Laurina Paperina

Ihr Pseudonym gibt schon einen entscheidenden Hinweis auf den sehr juvenilen Ansatz ihrer Kunst und auf die Tendenz, die sie in ihrer künstlerischen Stilistik sowie in der von ihr bevorzugten Thematik vertritt. Denn der von ihr gewählte Nachname Paperina, mit dem sie sich vorstellt, besagt im Italienischen nichts anderes als die Bezeichnung für die populäre Comicfigur...

 mehr Informationen

Nicola Samori

Nicola Samorì, dessen Entwicklung zu einem virtuosen zeitgenössischen Maler klassischer Themen mit dem Schwerpunkt bei der italienischen Kunst der Renaissance wir seit Jahren verfolgt haben, hat in seiner Konzeption von Malerei einen radikalen Schritt getan. Wir haben uns daher entschieden, ihn zu der diesjährigen Biennale der VAF-Stiftung einzuladen. Was ist geschehe...

 mehr Informationen

Marco Maria Giuseppe Scifo

Marco Maria Giuseppe Scifo verkörpert den Typus des ingeniösen Künstlers, der ein schöpferischer Gestalter von ästhetischen Kreationen ebenso ist wie ein spekulativer Denker und Erfinder. Das heißt, er setzt eine Tradition fort, die vor allem in der italienischen Kultur seit der Renaissance und später auch im Manierismus wie im Barock lebendig war und in der Vermögen ...

 mehr Informationen

Nicola Toffolini

Seit der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts zählen auch ökologische Fragestellungen zu den zentralen Themen der Kunst. Die Natur ist innerhalb dieser Bestrebungen nicht nur ein Objekt der empirischen Anschauung, sondern sie wird vielmehr zum Gegenstand künstlerischen und sozialen Handelns. Die Strategien der zeitgenössischen Kunst, sich mit den vielfältigen Eingri...

 mehr Informationen

Gianluca Vassallo

Das zentrale künstlerische Medium des aus Neapel gebürtigen Künstlers Gianlucas Vassallo, der jedoch heute in Sardinien lebt und arbeitet, ist die Fotografie. Es ist dies jenes in der bildenden Kunst der Gegenwart zentrale Medium, welches in zahlreichen ästhetischen Strategien einen vielfältigen Einsatz findet und das vor allem für konzeptuelle Positionen inzwischen u...

 mehr Informationen