Guglielmo Castelli, Torino

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Guglielmo Castelli

Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit, Unstabilität und eine merkwürdige Fluidität prägen die fragmentierte Bildwelt von Guglielmo Castelli’s Zeichnungen. Die nicht immer klar definierbaren Gegenstände und die menschlichen, tierischen Körper, oder Pflanzen, beziehungsweise Körperfragmente bilden eine kohärente, gleichzeitig aber enigmatische und verzauberte Mikro-Realität, deren Bestandteile sich ständig verändern und sich ineinander umwandeln, wobei die Grenzen zwischen den diversen Gebieten sich auflösen. Trotzdem entsteht hier eine zarte, transparente, poetische, provisorische Harmonie, da die Einfachheit und Offenheit der zeichnerischen Gestaltung und die klare, unmanipulierte, unmittelbare Zusammenführung der Fragmenten eine märchenhafte, fast naive, kindische, unschuldige Natürlichkeit bieten. Die rätselhaften Umwandlungen der Motiven, die Entstehung imaginärer Schauplätze und verzauberter Landschaften ereignen sich in einer selbständigen, ruhigen, unspektakulären Weise, dass sie sozusagen als gewöhnlich und bekannt vorkommen.

Genau diese unprätentiöse Natürlichkeit und scheinbare Naivität schaffen die poetische und emotional anrührende Suggestivität dieses Oeuvres. Das Enigmatische entsteht still und natürlich, ohne große Gesten, vor unseren Augen, als ob es vollkommen gewöhnlich und banal wäre. Die kleinen, aber substanziellen Veränderungen und die unerklärbaren, irrationalen Umwandlungen der diversen Dinge ereignen sich in einem kaum auffallenden, natürlichen, langsamen Fluss, so dass das Gefühl entsteht, dass die Welt genau so ist, wie sie hier erscheint, in dieser fluiden Unidentifizierbarkeit, in der verwirrenden und gleichzeitig selbstverständlichen Aufeinanderbezogenheit der kleinen, zarten, zerbrechlichen Fragmente. Guglielmo Castelli suggeriert eine poetische Kohärenz und eine emotionelle Intensität der kleinen Narrativen, wobei die fragilen, provisorischen Konstellationen der Dinge unsere grundsätzliche Verwundbarkeit und Instabilität vermitteln. Pathoslos, ohne dramatische Spektakularität, ohne laute Worte, sondern mit Empathie und Sensibilität entsteht hier eine äußerst berührende, komplexe Erzählung der Mikro-Realitäten, deren dichte, sensuelle, gefühlvolle, rätselhafte Präsenz sich mit einer fast naiven, fast archaischen Unmittelbarkeit offenbart. Vielleicht genau diese stille, unauffallende, transparente Unmittelbarkeit erzeugt die Melancholie der Ungewissenheit und der Instabilität der kleinen, scheinbar unbedeutenden und oft fragmentierten Dinge, welche unsere Existenz grundsätzlich prägt.

Lorand Hegyi

Lebenslauf

Guglielmo Castelli wurde am 31. Dezember 1987 in Turin geboren. Er absolvierte ein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in Turin und schloss dieses mit einer Promotion im Fach „ Filmisches Bühnenbild“ ab.

Kunstwerke

Guglielmo Castelli Work 0

Musterbuch der Traurigkeiten und der anmutigen Schönheiten, 2013

Technik/Details:

Graphit, Lackfarbe, Lösungsmittel auf Papier, Polaroidfotos
Grösse: Variable Maße

Guglielmo Castelli Work 1

Guglielmo Castelli Work 2

Guglielmo Castelli Work 3

Guglielmo Castelli Work 4

Guglielmo Castelli Work 5

Guglielmo Castelli Work 6

Ausgewählte Einzelausstellungen

2013 Al di là di ogni ragionevole dubbio, Galleria Guido & Schoen, Torino

2012 Le assenze assolute – Corridor and stairs, Photo fashion Gallery Mauro Grifoni
Et ab hic Et ab hoc, Metis NL Gallery, Amsterdam
Chiamo quando arrivi, L’Eglise Gallery, Torino

2011 Se si prescinde dai corpi, Galleria il Segno, Roma

2010 Perchè il brillare naturale dei suoi occhi non lo scambiassero per pianto, Galleria DAC, Genova

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2013 Prix Canson 2013, Petit Palais, Paris

2012 Face to Face – Young painters from Europe and the U.S.A., Galleria Guido & Schoen, Torino
... E bellezza sia! Modigliani, Warhol, Mapplethorp, la Dolce Vita Oggi, Fondazione 107, Torino
NO., Piazza Vittorio 11, Torino

2011 Premio Cairo, Palazzo della Permanente, Milano
Km 011, Arti a Torino 1995 – 2011, Museo delle Scienze, Torino

2010 Codice Sorgente, Fusion Gallery, Torino

2008 Viva il disegno, Comune di Torino Storie di matite, Spazio Azimut, Torino

Veröffentlichungen

2013 L. Beatrice, „L’Occhio Esigente“, in: La Stampa, 10. Maggio 2013

2012 G. Frau, L. Mattarella, S. Riba, S.S. Mandice, Text im Katalog | Testo nel catalogo „Chiamo quando arrivi“, Galleria Elise, Torino, Maggio 2012
F. Pocari, Text im Katalog | Testo nel catalogo „E bellezza sia!“, La Dolce Vita Oggi Fondazione 107, Torino
F. Poletti, Text im Katalog | Testo nel catalogo „Le assenze assolute“, Corridor and Stairs Photo Fashion Gallery Mauro Grifoni, Edizioni Paneur & Dust, Milano

2011 L. Beatrice, Text im Katalog | Testo nel catalogo „Km 011“, Museo delle Scienze, Umberto Allemandi, Torino
L. Beatrice, „Venti i concorrenti“, in: Arte Mondadori, Juli | Luglio 2011
L. Mattarella, Text im Katalog | Testo nel catalogo „Se si prescinde da corpi“, Galleria Il Segno, Roma, Oktober | Ottobre 2011

2010 M. Canorro, „Il colore dei vent’anni“, in: Inside art 71, Dezember | Dicembre 2010

2008 O. Gambari, Text im Katalog | Testo nel catalogo „Storie di matite“, Spazio Azimut, Torino