Marco di Giovanni, Imola (BO)

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Marco di Giovanni

Marco Di Giovanni arbeitet in seinen Skulpturen und auch Rauminstallationen mit Materialkontrasten. Meist kombiniert er verschiedene Fundstücke, in deren Innern er verschiedene optisch vergrößernde oder verzerrende Lupen vor Bildern oder Lichtprojektionen einsetzt. Dabei begrenzt er seine künstlerische Erweiterung auf ein Minimum, um die vorherige Funktionalität der Fundstücke zu erhalten. Fasziniert von den Geheimnissen der Astronomie, legt Marco Di Giovanni seinen künstlerischen Fokus auf die Erforschung der Himmelskörper oder Schwarzen Löcher, die sich jeglichen physikalischen Gesetzen zu entziehen scheinen. So erkundet er auch in den ausgestellten Werken unterschiedliche Raum-Zeit-Gefüge.

Inspirationsquellen sind für ihn die altnordische Mythologie, wie das im 13. Jahrhundert von Snorri Sturluson verfasste Werk Snorra-Edda, oder die im 20. Jahrhundert veröffentlichte Foundation-Trilogie von Isaac Asimov, eine sich über Generationen und ins nahezu Unendliche fortsetzende Erzählung.

In Mjollnirr, tra l‘incudine è il martello (2011) formte Di Giovanni aus einem Eisenamboss und einem Eisenrohr die Kriegswaffe des germanischen Gottes Thor. Der Legende nach besitzt Thors Hammer die Eigenschaft, sein Ziel im Wurf nie zu verfehlen und unvermittelt in die Hand des Werfers wieder zurückzukehren. So birgt der auf dem Boden liegende schwere Gegenstand eine gewisse Gefahr, indem er wohlweislich sein Ziel getroffen hat, aber noch auf seinen Besitzer wartet. An der Wand ist ein zum Werk dazugehöriger QR-Code angebracht, der sich zu einer 3D-Videoanimation verlinkt. Dort ist in einer Endlosschleife zu sehen, wie sich der Amboss in einen Hammer verwandelt, der rasant durch die Luft wirbelt, auf dem Amboss aufschlägt und sich auflöst.

In seinen anderen Werken wie in Hari Seldon (2010), das sich auf die Hauptfigur in Isaac Asimovs Science-Fiction-Welt bezieht, und in der Performance (2011) stehen im Vordergrund rostige sperrige Rohre, die über linsenförmige Mechanismen, Lupen und Spione den Betrachter als Voyeur aktivieren. Wie durch ein Schlüsselloch betrachtet, eröffnet sich im Innern der sperrigen Behälter eine vom Künstler materialisierte Welt, welche nur im Moment des Ansehens im Betrachterblick existiert. In der Performance verschmilzt Marco Di Giovanni als Voyeur mit dem im Innern zu sehenden Universum, das jedoch dem Betrachter verborgen bleibt. Ihm bietet sich nur die Möglichkeit an anderer Stelle, in unendliche Welten einzutauchen.

In „Le porte di Solarolo“ (2010) schichtet Di Giovanni Türen, die sich ehemals in seinem Atelier in Solarolo in der Provinz Ravenna befanden, beidseitig an eine Wand. Infolge einer persönlichen Krisenzeit durchschlug der Künstler diese zehn Türen gewaltsam mit einer Axt. Für ihn ein Akt wie ein Befreiungsschlag, um den nächsten Schritt in die Zukunft zu gehen. Der Betrachter hingegen erblickt durch die Öffnungen und über Linsen verzerrt alles, was sich hinter den Türen verbirgt, in der Ferne auf das Kleinste reduziert und auf dem Kopf stehend.

Svenja Frank

Lebenslauf

Marco Di Giovanni wurde 1976 in Teramo geboren, er lebt und arbei­ tet in Imola und in Valsalva.

Kunstwerke

Marco di Giovanni Work 0

Mjöllnir: Zwischen dem Amboss ist der Hammer, 2011

Technik/Details:

Alter Amboss, Eisen, QR Code für Animation 3D, loop jeweils 25 Sekunden
Grösse: 130 × 60 × 27 cm

Marco di Giovanni Work 1

Hari Seldon, 2010

Technik/Details:

Eisen, Edelstahl, Guckloch, Spiegel
Grösse: 210 × 30 × 30 cm

Marco di Giovanni Work 2

Superschnürsenkel, 2011

Technik/Details:

Performance, Eisen, Schuhe mit langen Schnürsenkeln, Vergrößerungsgläser, Erde,
Spiegel, Glas, Stuck, alte Amphibien, Lampe mit niedrigem Stromverbrauch, Elektrokabel
Grösse: abhängig von den räumlichen Gegebenheiten

Marco di Giovanni Work 3

Die Zimmertüren von Solarolo, 2010

Technik/Details:

Alte hölzerne Türblätter, Vergrößerungsgläser
Grösse: 210 × 90 × 100 cm

Marco di Giovanni Work 4

Die Zimmertüren von Solarolo, 2010

Technik/Details:

Alte hölzerne Türblätter, Vergrößerungsgläser
Grösse: 210 × 90 × 100 cm

Ausgewählte Einzelausstellungen

1999 „Eierbaustelle“, Sozialstation Umsicht Keller | Sozialstation, Berlin

2001 „P. Terra“, Archivio Zero Media Zanchetta, Bologna

2002 „Int. Terra“, Galleria interno &dumdum, Bologna

2003 „‘imbrujo“, Galleria Otto Arte Contemporanea, Bologna „Arte e Ricambi“ | Kunst und Ersatzteile, Galleria Arte e Ricambi, Verona

1999 „Eierbaustelle“, Sozialstation Umsicht Keller | Sozialstation, Berlin

2001 „P. Terra“, Archivio Zero Media Zanchetta, Bologna

2002 „Int. Terra“, Galleria interno &dumdum, Bologna

2003 „‘imbrujo“, Galleria Otto Arte Contemporanea, Bologna

2003 „Arte e Ricambi“ | Kunst und Ersatzteile, Galleria Arte e Ricambi, Verona

2005 „Fuori di Terra“ | Außerhalb der Erde, Giardini di Villa Guastavillani, con il patrocinio della Galleria d’Arte Moderna di Bologna

2005 „Di lá“ | Dort, Il Chiostro Arte Contemporanea, Saronno

2006 „Ucraina“, Galleria Il Ponte, Firenze

2007 „Porteno“, Università LUISS, Roma

2009 „Caraqueno d’Abruzzo“, Il Chiostro Arte Contemporanea, Saronno

2010 „Happy Hour“, Heppenheimer Kunstverein, Heppenheim an der Bergstrasse (zusammen mit | in collaborazione con Andrea Facco)

2011 „Nord“, Kunstraum | Spazio d’Arte Unicredit, München

2011 „Nord – le distanze siderali“ | Nord – Siderale Entfernungen, Galleria Galica, Milano

2012 „Camera 112“, Gallia Palace Hotel, Punta Ala

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2003 „POLYPHONIX 40“, Centre Culturel Canadienne, Centre Pompidou, Paris

2003 „La vita delle forme“ | das Leben der Formen, Galleria Civica di Modena

2003 „Mito-Logica-Mente“, Borgo Medievale di Castelbasso, Teramo

2003 „Anteprima“ | Voraufführung, XIV. Quadriennale di Roma, Palazzo delle Esposizioni, Roma della Promotrice delle Belle Arti, Torino

2004 „Dal profondo“ | Aus der Tiefe, Mainz

2005 „Il disegno della scultura contemporanea da Fontana a Paladino“ | Die zeitgenössische Bildhauerzeichnung von Fontana bis Paladino, Palazzo Binelli, Carrara

2006 „Allegra con brio“ – Arte italiana dal Pop ad oggi | Heiterkeit mit Schwung – Italienische Kunst von der Pop-Art bis heute, Chiesa del Suffragio, Carrara

2007 „L’Arte come amante“ | Die Kunst als Liebha- berin, Casa di Mantegna, Mantova „Strade Bluearte“, MAMBO, Bologna

2008 „Arrivi e Partenze“ | Ankünfte und Abfahrten, Mole Vanvitelliana, Ancona

2008 „Ad a 6“, Musei Civici di San Domenico, Imola

2008 „In sede – viva il disegno“ | Im Sitz – es lebe die Zeichnung, Torino

2008 „Playstation“, Kunstraum, Meran

2009 „Relitti perfetti“ | Perfekte Relikte, Galleria Fiorella Pieri, Cesena

2009 „It’s only paper moon“ | Es ist nur ein Mond aus Papier, Galleria Galica, Milano

2010 „C’era una volta un futuro“ | Es war einmal eine Zukunft, Via dei Volsci 114, Roma

2010 „No fear beyond this point“ | Keine Angst jenseits dieses Punktes, Galleria Galica, Milano

2011 „Giorni felici 2011“ | Glückliche Tage 2011, Casa Testori, Novate Milanese

2011 „Things are queer – Highlights from Unicredit Collection“ | Die Dinge sind sonderbar – Höhepunkte aus der Unicredit-Sammlung, Museum MARTA, Herford

2012 „Minima Marginalia“ | Minimale Nebensächlichkeit, Dolomiti Contemporanee – Ex Fabbrica Visibilia, Taibon Agordino

2012 „Moves to New Delhi“ | Nach Neu-Delhi in Bewegung setzen, Art Embassy, Berlin

2013 „La grande Magia – Opere scelte della Collezione Unicredit“ | Die große Magie – Ausgewählte Werke aus der Unicredit-Sammlung, MAMBO, Bologna

2013 „Onthewater“ | Am Wasser, Porto di Marino di Scarlino, Grosseto