Maria Elisabetta Novello, Gonars (UD) (Gewinner des VAF-Kunstpreises von 2014)

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Maria Elisabetta Novello

Das zentrale Material, mit dem Maria Elisabetta Novello arbeitet, ist Asche. Sie nutzt die unterschiedlichen Farben, die je nach Verbrennungsgrad und Ausgangsholz entstehen. Nadelhölzer bilden eine dunkle Asche, während Buchenholz grau-weiß verbrennt. Grundsätzlich gilt, je höher der Verbrennungsgrad, desto heller die Asche. Zerriebene Kohle und Asche dienen der Künstlerin u. a. als Malmaterial, eingefüllt in kleine transparente Säckchen entstehen große, ornamentale Wandteppiche oder sie gestaltet Objekte aus seriell aneinandergereihten Reagenzgläsern mit unterschiedlichen Aschefüllungen.

Die symbolische Bedeutung der Asche ist in nahezu allen Kulturen verankert. Sie steht für Tod, Trauer und Vergänglichkeit, ist das Vanitasmotiv schlechthin. Da Asche als durch das Feuer gereinigter Rückstand gilt, ist sie auch Sinnbild für Verwandlung und Erlösung. Rituale wie das Bestreuen des Kopfes mit Asche als Reinigungsakt sind im antiken Griechenland, in Ägypten und orientalischen Ländern bekannt. Auch in der christlichen Tradition ist die Verwendung von Asche mit der Buß- und Auferstehungssymbolik eng verbunden. So wird die aus dem alten Ägypten stammende mythische Gestalt des Vogels Phönix, der sich immer wieder verbrennt, um verjüngt aus der Asche aufzusteigen, zum Symbol für die Auferstehung Christi. Carl Gustav Jung hingegen setzt den Archetypus des sich erneuernden Lebens mit der ständigen Entwicklung des eigenen Ichs (Individuationsprozess) in Beziehung. All diese Assoziationen dieses Materials, die sich im Bereich der Alchemie fortführen ließen, stehen für Maria Elisabetta Novello nicht im Vordergrund, spielen aber dennoch eine Rolle.

Die aus Vicenza stammende Künstlerin präsentiert in der Ausstellung zwei Arbeiten: zum einen die Installation causa-effetto, zum anderen realisiert sie eine In-situ-Arbeit. Bei Causa-effetto gibt ein Subwoofer, auf dem feiner Aschestaub liegt, den ruhigen Atem der Künstlerin wieder. Die Vibration der Membran des Lautsprechers, die einem Pulsschlag gleicht, wirbelt die Asche auf. Die entstehenden Formationen werden im dunklen Raum mit einer kleinen Lichtquelle gefilmt und an die Wand projiziert. Die Installation wird so zur poetischen Allegorie für den Kreislauf des Lebens.

In der für die Ausstellung entstandenen Arbeit, die den Titel „Ricamo“ (Stickerei) hat, gestaltet Novello auf der Bodenfläche ein kreisförmiges Motiv aus Aschestaub. Als Vorlage dienen ihr Muster von Spitzendecken aus Großmutters Zeiten, die sie, ähnlich einem Mandala, in langwieriger, meditativer Arbeit zu einem großen Bodenornament formt. Sie greift damit die heute in Vergessenheit geratene, typisch weibliche Tradition des Spinnens, Häkelns und Klöppelns auf. Ähnlich dem tibetanischen Mandala ist die Arbeit nur von temporärer Dauer, denn durch die Ausstellungsbesucher wird sie zunehmend zerstört. Der Vanitasgedanke der Vergänglichkeit, der im Material Asche impliziert ist, wird so auf sehr stimmige Weise in die Installation selbst transferiert.

Silvia Höller

Lebenslauf

Maria Elisabetta Novello wurde 1974 in Vicenza geboren und sie absolvierte ihre künstlerische Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Venedig, wo sie im Fach Malerei mit einer Promotion abschloss. Sie realisiert mit dem ihr eigenen Material Asche fragile ambientale Gestaltungen, das heißt vor allem filigrane ornamentale Muster, die sie auf Bodenflächen konkretisiert, und sie erfindet neben multimedialen Installationen auch interaktiv nutzbare Objekte und zweidimensionale Arbeiten, wobei sie in allen ihren Projekten unterschiedlich getönte Asche einsetzt. In performativen Darbietungen arbeitet sie häufig mit Musikern und Tänzern zusammen. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Gonars bei Udine.

Kunstwerke

Maria Elisabetta Novello Work 0

Stickerei, 2013

Technik/Details:

Asche, Bodeninstallation, jeweils ortsbedingte Ausführung. Durchmesser im SCHAUWERK Sindelfingen 5 Meter
Grösse: Raummaße variabel

Maria Elisabetta Novello Work 1

Ursache – Wirkung, 2007

Technik/Details:

Video-Installation: Asche, Tiefton-Lautsprecherboxen und Mini-Speaker, TV-Aufnahmekamera, Video- Projektor
Courtesy Galleria Fumagalli, Milano
Grösse: Raummaße variabel

Maria Elisabetta Novello Work 3

Aschewolken des Werks „Ursache – Wirkung“

Ausgewählte Einzelausstellungen

2001 „In cenere“, Ospedale dei Battuti, San Vito al Tagliamento, Pordenone

2002 „No Style“, San Donà di Piave, Venezia

2003 „Lightness“, Studio Vu, Lentate sul Seveso

2004 „Focus in file“, Colonos, Villacaccia di Lestizza, Udine

2007 „Causa effetto“, Nt Art Gallery, Bologna

2008 „16 / 256 Livelli di grigio“, Galleria 3g, Udine

2010 „Punti di vista“, Galleria Fabbri Contemporary Art, Milano

2010 „Una stanza tutta per sè“, Galleria Erica Fiorentini Arte Contemporanea, Roma

2011 „Un/Limited“, Galleria Traghetto, Venezia

2012 „Liridi“, Galleria Fumagalli, Bergamo

2013 „Data on Imperfection“, Factory Art, Berlin

2013 “The experience of gravity“, Novello Maria Elisabetta und Susan York, Galleria Fabbri Contemporary Art, Milano

2013 „Blumm-Prize“ 2013, Gewinnerin mit dem Werk | Vincitrice con l’opera „Vasi comunicanti“

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2003 Q 13, Centro Culturale Candiani, Mestre

2004 „Artist of fun“, Galleria Arte Studio Clocchiatti, Udine

2004 „Borsa Valori“, Basilica Palladiana, Salone degli Zavatteri, Vincenza

2005 Hollywood, Galleria Contemporanea, Mestre

2006 „Riprendiamocilanotte“, Abside del Cinema visionario, Udine

2006 „Torture Garden“, Villa di Toppo Florio, Buttrio Udine

2007 „Maninfesto“, Villa Manin, Passariano Codrolpo, Udine

2007 „Suadente e flebile allure“, Galleria della Pina Arte Contemporanea, Pietrasanta

2007 Incontri d’Arte Italo Sloveni, Palazzo Pretorio, Capodistria (Slovenia)

2008 „I labirinti della bellezza“, Museo Michetti, Francavilla al Mare, Chieti

2008 „Nati negli anni 70 / 80. Coll’action. Scelti bene in tempi estremi“, Studio Dieci, Vercelli

2008 „Palinsesti“, Castello San Vito al Tagliamento, Pordenone

2009 „Un altro nastro per krapp“, Galleria Interno 22, Roma

2009 „Welcome home, AB 23“, Contenitore per il contemporaneo, Vicenza

2009 „Pre-Fazione“, Galleria la Giarina Arte Contemporanea, Verona

2009 „Sant‘Elena. La seduzione nel segno.“ Evento collaterale alla 53. Esposizione Internazionale d‘Arte della Biennale di Venezia

2009 “Il piu profondo la pelle“, MUD Art Foundation, Milano

2009 „The Goldberg‘s Variations 91mQ“, Berlin

2009 “La meglio gioventù“, Galleria Comunale Arte Contemporanea, Monfalcone

2010 „Sull‘invisibile“, Galleria Ciocca Arte Contemporanea, Milano

2010 „The Goldberg’s Variations 2“, Mya Lurgo Gallery, Lugano

2010 „Vette. Sentieri verso l’arte contemporanea“, Palazzo Frisacco, Tolmezzo, Udine

2010 „Scrivere il silenzio“, Galleria il Milione, Milano

2010 „L’arte dei giardini. Proposte di prossimità della natura“, Terme di Diocleziano, Roma

2010 „Il segreto dello sguardo“, Premio San Fedele, Galleria San Fedele, Milano

2010 „Il senso dell‘ordine“, Matteo Fatto e Maria Elisabetta Novello, Chiesa SS. Ambrogio e Bellino, Vicenza

2011 „Passato Presente – Dialoghi d’Abruzzo“, Centro Internazionale per l’Arte Contemporanea (CIAC), Castello Colonna Genazzano

2010 WPA 2011, Lanificio Conte, Schio (Vicenza)

2010 „Round the clock“, Evento collaterale | Collateral event alla 54. Esposizione Internazionale d‘Arte della Biennale di Venezia, Spazio Thetis

2010 „Woman White. La dimensione dell’infinibilità“, Galleria Fabbri Contemporary Art, Milano

2010 „Punto fermo“, Palazzo Altan, San Vito al Tagliamento, Pordenone

2012 „Punto fermo“, Vent’anni d’Arte Contemporanea a San Vito al Tagliamento, Casa Cavazzini, GAMUD, Udine

2010 Premio Combat, Museo Civico G. Fattori ex Granai di Villa Mimbelli, Livorno

2010 „Firewall – Time in Jazz“, Centro Laber, Berchidda, Olpia – Tempio

2010 WOP – Works on Paper, Galleria Fabbri Contemporary Art, Milano

2013 Setup Art Fair, Bologna, Galleria Fabbri Contemporary Art, Milano

2013 „Siate candidi come colombe e astuti come serpenti“, Galleria Comunale Castions di Zoppola

2013 „Andata e Ricordo – Souvenir de voyage“, Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto (MART), Rovereto