Nicola Toffolini, Firenze

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Nicola Toffolini

Seit der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts zählen auch ökologische Fragestellungen zu den zentralen Themen der Kunst. Die Natur ist innerhalb dieser Bestrebungen nicht nur ein Objekt der empirischen Anschauung, sondern sie wird vielmehr zum Gegenstand künstlerischen und sozialen Handelns. Die Strategien der zeitgenössischen Kunst, sich mit den vielfältigen Eingriffen in Natur- und Umweltprozesse auseinanderzusetzen, sind dabei weit gefächert, wobei vor allem das interdisziplinäre Experimentieren mit neuen technologischen Methoden der Wissenschaften eine große Rolle spielt. Das Atelier wird zum Labor von virtuellen Simulationen oder realen Manipulationen, um die heutige Technisierung der Natur in Erinnerung zu rufen und um die weitreichenden Konsequenzen menschlicher Eingriffe zu reflektieren.

Nicola Toffolini arbeitet in seinen Versuchsanordnungen mit Pflanzen, die er in technisch sehr aufwendigen Skulpturen oder Installationen in einen künstlichen Kontext transferiert. Auf unterschiedliche Weise schafft er somit artifizielle Lebensräume für Grünpflanzen und er setzt diese spezifischen Bedingungen aus, um ihr Wachstum gezielt zu steuern und zu beeinflussen. Dabei gilt sein Interesse den vielfältigen Dimensionen von Natur. Er hinterfragt nicht nur Prozesse der Formwerdung und des Wachstums, sondern vor allem unsere Vorstellung von Natur und verfolgt dabei einen analytischen wie empirischen Zugang. Seine Versuche werden stets von ausführlichen schriftlichen und grafischen Aufzeichnungen begleitet. In über fünfzig Notizbüchern hat er seine Überlegungen zu äußeren Einflüssen, die vom Wind, der Gravitation oder unterschiedlichen Lichtquellen ausgehen können, als Gedankenskizzen festgehalten und mit minutiösen, hyperrealistischen Zeichnungen illustriert. Die exakte Zeichnung ist für Toffolini nicht nur eine projektbegleitende Studie, sondern ein zentrales eigenständiges Ausdrucksmedium, auf das er sich in seinen aktuellen, sehr großformatigen Arbeiten immer mehr konzentriert.

Die Ausstellung zeigt die Arbeit Volumi mutevoli a regime di crescita disturbato (Das Volumen wechselt je nach Größe der Störung), die aus zwei, zum Großteil aus recycelten Industriematerialien gefertigten Wandobjekten besteht. Im oberen Teil finden sich jeweils Fotovoltaikelemente, die dazu dienen, aus dem Licht des Ausstellungsambientes die Energien für neues Licht gewinnen. Im unteren Teil der zwei Komponenten befinden sich jeweils Vitrinen, in die der Künstler Grünpflanzen gestellt hat, die von zwei unterschiedlich farbigen Lichtquellen – die eine blau, die andere rot – beleuchtet werden. Obwohl die beiden Pflanzen von derselben Art sind, reagieren sie in ihrem Wachstum jeweils sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Lichtspektra. Während die eine Pflanze eine deutlich vertikale Wachstumsrichtung aufweist, neigt die andere mehr zu einer Breitenausdehnung. Ergänzend werden in einer dritten Wandvitrine Zeichnungen, die den Herstellungsprozess sowie die Auswirkungen des Lichts auf die Pflanzen visualisieren, präsentiert.

Silvia Höller

Lebenslauf

Nicola Toffolini wurde 1975 in Udine geboren und er absolvierte seine künstlerische Ausbildung zunächst an der Akademie der Bildenden Künste in Venedig, wo er im Jahre 2000 ein Diplom im Fach Malerei mit einer Thesis zum Thema „Sehr kleine wechselnde Volumen“ erwarb. 2001 volontierte er am Teatro Comandini in Cesena im Rahmen einer Bühnenbildgestaltung für das Stück „Das goldene Zimmer“ und er nahm teil an der Realisierung der Inszenierung des Theaterstückes „C. #01“. Im Jahre 2006 belegte er einen Kurs für Fortgeschrittene in den visuellen Künsten, den die Stiftung Antonio Ratti in Como veranstaltete. Der Künstler lebt und arbeitet in Florenz und in Coseano bei Udine.

Kunstwerke

Nicola Toffolini Work 0

Wechselnde Ausdehnungen unter dem Einfluss von gestörten Wachstumsbedingungen, 2009/2010

Installation bestehend aus zwei Wandelementen, die jeweils eine Aufzuchtkammer für eine Planze enthalten und die mit einer autonomen Energieversorgung mithilfe von Solarzellen ausgestattet sind.

Produktion der Installation: CCCS – Centro di Cultura Contemporanea Strozzina, Firenze

Technik/Details:

Korpus jeweils aus massivem kanadischem Ahornholz, Aufzuchtvitrine verglast, Versorgungsleitungen aus Nylon, Photovoltaik-Kollektoren von Sanyo Amorton, elektronische Steuerung durch Solarzellen, LED-Beleuchtungen in rot und blau mit hoher Effizienz, Gartenerde, Wasser und Düngemittel, zwei Pflanzen
Grösse: jeweils 160 × 30 × 0 cm

Nicola Toffolini Work 1

Nicola Toffolini Work 2

Nicola Toffolini Work 3

Nicola Toffolini Work 4

Nicola Toffolini Work 5

ProjektSkizzenbuch: Wechselnde Ausdehnungen unter dem Einfl uss von gestörten Wachstumsbedingungen, 2009/2010

Technik/Details:

Vitrinenkorpus aus massivem kanadischem Ahornholz, Glas, Dichtungen aus Silikon, Japanisches TaschenSkizzenbuch von Moleskine
Grösse: 30 cm × 267 × 10 cm

Ausgewählte Einzelausstellungen

2004 „Centometriquadri di verde acido“, Galleria Lipanje Puntin Artecontemporanea, Trieste

2005 „Forzatamentealverde“, Spazio FVG, Villa Manin – Centro d’Arte Contemporanea, Passariano

2006 „Parassita si nasce“, Placentia Arte, Piacenza

2007 „L‘erba del vicino è sempre più verde“, Istituto Italiano di Cultura, Ljubljana

2007„Crescere come un pesce fuor d’acqua“, Galleria Libanje Puntin Artecontemporanea, Roma

2007 „Tradire il fare“, Not Gallery, Napoli

2008 “Oltre la siepe“, Rocca Estense, San Martino in Rio

2009 „Bradisismica“, Biagotti Progetto Arte, Firenze

2010 „Perché essere arresi non significa essere vinti“, PAV, Torino

2012 „Nootka“, SQUADRO, Bologna

2013 „1 : 1“, Galleria D406, Modena

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2005 „Sinnaturismo“, Castello di Rivara, Torino

2005 „L’immagine sottile: Disegni per una Collezione“, Galleria Comunale d’Arte Contemporanea, Monfalcone XXII Premio Oscar Signorini dedicato alla Bioarte, Studio D’Ars, Milano

2006 „Tende a infinito. L’arte intorno al limite“, Palazzetto Tito, Fondazione Bevilacqua la Massa, Venezia 2006 Targhetti Light Art Collection at MUAR, Moskwa

2006 Fruz: Una nuova generazione di artisti in regione, Project Room GC.AC., Monfalcone Premio Razzano per giovani artisti 2006, Rocca dei Redentori e Museo del Sannio, Benevento

2007 Open Air, Orto Botanico, Parma

2007 „Insiums porgjet utopie“, Villacaccia di Lestizza

2007 „Wunder Garten – Innesti tra arte e botanica, Orto Botanico, Palermo

2007 „On. Luci accese di notte“, Via Petroni, Via del Bibiena, Via Zamboni, Piazza Verdi, Bologna „Drawing out“, Biagotti Progetto Arte, Firenze

2008 „Arrivi e Partenze – Italia“, Mole Vanvitelliana, Ancona

2008 „Allarmi 2008 – Astero“, Caserma di Cristoforis, Como

2008 „Il rimedio perfetto“, Riccardo Crespi, Milano

2008 „Summer Kisses“, Centro per l’Arte Contemporanea Palazzo Lucarini Contemporary e Museo Laboratorio EX-Manifattura Tabacchi, Trevi e Città Sant’Angelo

2008 Maninfesta – Scultura e Installazione in Friuli Venezia Giulia, Villa Manin – Centro d’Arte Contemporanea, Passariano

2009 „Roots | Radici – Memoria, Identità, Territorio“, Disegni contemporanei da Palazzo Lucarini in Trevi, Istituto Italiano di Cultura, Madrid „New Italian Epic“, Brown Project Space, Milano

2009 „Green Platform – Arte, Ecologia, Sostenibilità, Centro di Cultura Contemporanea Strozzina (CCCS), Palazzo Strozzi, Firenze

2009 „Principi di responsabilità“, Furini Arte Contemporanea, Arezzo

2009 „Crossing – Isola Mondo“, Torre Massimiliana, Isola di Sant’Erasmo, Venezia

2009 „Plentitudini“, Galleria delle Logge e Pinacoteca di San Francesco, San Marino

2010 „Winter Roots – Memoria, Identità, Terrritorio, Palazzo Lucarini Contemporary, Trevi

2010 „Antroposfera – Nuove forme della vita“, Palazzo Re Enzo e Pinacoteca, Bologna

2010 „Utopia“, Shanghai Urban Planning Exhibition Center, Shanghai

2010 „2 x 010 – Artisti italiani e cinesi a confronto“, Istituto Garuzzo per le Arti Visive (IGAV), Expo Shanghai 2010 – Padiglione Italia, Shanghai

2010 „Private Garden“, Parco Arte Vivente (PAV), Torino

2010 „Mostra in Mostra“, Altissima 17, Oval – Lingotto Fiere, Torino

2011 „Private Garden“, ETAGI Lof Project, Sankt Petersburg

2011 Biennale Giovani di Monza, Serrone della Villa Reale, Monza

2011 „Senza rete“, ETAGI Loft Project, Sankt Petersburg

2011 „Dalla cella all’atelier“, Collezione Permanente IGAV, Castiglia, Saluzzo

2011 „Palinsesti XX“, Casa Cavazzini, Udine (...), Villacaccia di Lestizza