Zoè Gruni, Firenze

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Zoe Gruni

Mythen, Aberglaube, Rituale oder schamanische Traditionen sind zentrale Ausgangspunkte im Werk von Zoè Gruni. Nach der Theorie zum kulturellen Gedächtnis des deutschen Ägyptologen und Kulturwissenschaftlers Jan Assmann sind solche irrationalen Zugänge ein prägender Teil gesellschaftlicher Erinnerungskultur und dienen als eine Art Sinnreservoir.

Auch in der Kunst gewannen mythische und magische Überlieferungen als Gegenpol zur rationalen Entzauberung der Welt (Max Weber) besonders im 20. Jh. an Bedeutung. Für viele Avantgardekünstler der klassischen Moderne wie Max Ernst oder Marcel Duchamp war diese vielfältige Gedankenwelt eine wichtige Inspirationsquelle. Jahrzehnte später, in den 1960er und 1970er Jahren, greift vor allem Joseph Beuys, maßgeblich beeinflusst durch Rudolf Steiner, diese enigmatischen Sinnsysteme auf und führt sie in einen neuen Kunstdiskurs ein, der bis heute nachwirkt. Zoè Gruni knüpft somit mit ihren Arbeiten an eine lange Tradition an. Für die aus Pistoia stammende Künstlerin ist die Wiederbelebung des Kollektivgedächtnisses im Sinne einer Remythisierung ein wichtiges Instrument, um den Ängsten und dem Unbehagen unserer säkularisierten Gesellschaft entgegenzuwirken.

In der Ausstellung präsentiert Zoè Gruni die Videoarbeit Metacorpo und die sechsteilige, mit Kohle überarbeitete Fotoserie Malocchio I. In der großformatig projizierten Videoarbeit sehen wir zunächst nur Nahaufnahmen eines nackten, zuckenden Körpers. Die Körperteile sind schwer zuordenbar, erst nach und nach lässt sich eine kopfüber hängende, weibliche Rückenfigur ohne Arme, mit bizarrem, besenartigem Kopfaufsatz aus Stroh erkennen. Sie hängt in einem weißen Raum, dessen Boden vollständig mit Maiskörnern bedeckt ist. Die Zuckungen und das Aufbäumen der Kopfbedeckung wirken irritierend. Ein Gefühl, das durch den O-Ton des Raschelns und der körperlichen Anstrengung betont wird. Assoziationen an okkulte Rituale werden wach. Der Titel Metacorpo verweist auf einen anderen Körper jenseits der Wirklichkeit. Wie in den meisten ihrer Arbeiten ist es ihr eigener Körper, der ihr als künstlerisches Material dient und den sie immer wieder neu verfremdet. So mutiert sie in der Fotoserie Malocchio I zum Wolfsmenschen. Mit Kohle überzeichnet sie Gesicht und Körper mit einem schwarzen Fell, nur die Augen wenden sich mit künstlichen Linsen dem Betrachter zu.
Der Aberglaube des bösen Blicks, der Unheil oder gar den Tod bringt, ist in südlichen Ländern wie Italien, aber auch in vielen anderen Kulturen weit verbreitet. Indem die Künstlerin die Szene vor dem Petersdom in Rom platziert, stellt sie die christliche Tradition, in der das Auge als Sinnbild Gottes gesehen wird, heidnischem Volksglauben des Bösen gegenüber. „Im Blick erlebt der Mensch den Dämon im Menschen und damit seine eigene Dämonie im Anderen.“

Silvia Höller

Lebenslauf

Zoè Gruni wurde 1982 in Pistoia geboren und sie absolvierte zunächst ein Kunststudium am Kunstinstitut in Pistoia, das sie im Jahre 2000 mit einem Diplom abschloss. Sie setzte danach ihre Studien an der Akademie der Bildenden Künste in Florenz fort und promovierte dort 2006 mit einer Arbeit über die Künstlerin Carol Rama. Sie lebt in Florenz, in Los Angeles und – als Künstlerin im Studienaufenthalt – in Sao Paulo und in Rio de Janeiro.

Kunstwerke

Zoe Gruni Work 0

Metakörper, 2009

Technik/Details:

Digitales Video, Dauer: 2:08 Minuten

Zoe Gruni Work 1

„Malocchio 1“, Böser Blick, 2011

Technik/Details:

Zeichenkohle auf fotografischem Papierabzug. 6 Blätter.
Grösse: Jedes Blatt 90 × 90 cm

Zoe Gruni Work 2

„Malocchio 1“, Böser Blick, 2011

Technik/Details:

Zeichenkohle auf fotografischem Papierabzug. 6 Blätter.
Grösse: Jedes Blatt 90 × 90 cm

Ausgewählte Einzelausstellungen

2004 Bali Balle Baloo, Palazzo del Bali, Pistoia

2008 Zoè Gruni, Accademia delle Arti del Disegno, Firenze

2008 „Metato“, Galerie Depardieu, Nizza

2009 „Metato“, Entropyart in Progress, Napoli

2009 „Metato Metacorpo“, Galleria Il Ponte, Firenze

2009 Antonio Catalano – Zoè Gruni, Centro Culturale il Funaro, Pistoia

2010 „Metato – Metacorpo“, Arte Fiera, Bologna

2011 „Metacorpo“, Teatro Sala Umberto, Roma

2011 „Malocchio 1“, Arte Fiera, Bologna

2011 „Urban Jackalope“, F-Air, Firenze

2012 „Malocchio 2“, MIARTfair, Milano

2013 „La Mérica Sensus“, Luoghi per Arte Contemporanea, Firenze

Ausgewählte Gruppenausstellungen

2004 „Contested Space“, Spazio Alcatraz ex Stazione Leopolda, Firenze

2004 „Networking City“, Officina Giovani Cantieri Culturali, Prato

2004 „Dal luogo al simbolo“, Ex-Farmacia Nucci, Agliana (Pistoia)

2005 „Humus“ – Gianna Scoino – Zoè Gruni, Cella d’Arte di Villa Pichi Sermolli, Buggiano Castello (Montecatini)

2005 „Acque Giardino delle Terme“, San Giuliano Terme, Pisa

2005 „Rotte metropolitane“, Spazio Sesu, Firenze

2006 „Allievi incisori dell’Accademia“, Galleria Il Bisonte, Firenze

2006 „Studi 8“, Zoè Gruni, Cristiano Coppi, Andrea Lunardi, Studi 8, Pistoia

2006 „Pillole contemporanee“, Studi 8 in Farmacia, Ex-Farmacia Nucci, Agliana (Pistoia)

2006 „Casi giudiziari“, Palazzo Pretorio, Pistoia

2007 „Liberolibrodartistalibero 3“, Wignacourt Museum, Rabat (Malta)

2007 „Abitanti Ambienti“, Daniela De Lorenzo, Zoè Gruni, Kinkaleri, Galleria Il Ponte, Firenze

2007 „Se la fotografia è un clic dell’anima“, Galleria Giannone, Pisa

2010 „Bad Girls: Good girls go to heaven, bad girls go to everywhere“, Unimedia Modern Contemporary Art e Vision Quest Gallery, Genova

2010 „Lateral Bodies“, Spazio Thetis – Arsenale Novissimo, Venezia

2010 „Gemine Muse – Trame d’arte identità e inganni“, Museo del Tessuto, Prato

2010 „Arte del XX secolo nelle collezioni delle fondazioni bancarie di Venezia e Pistoia 1910 – 2010, Un secolo d’arte a Pistoia“, Opere dalla Fondazione Cassa di Risparmio di Pistoia e Pescia, Palazzo Fabroni, Pistoia

2010 „Please me fashion, fluttuazione fra arte e moda“, Palazzo Ducale, Sabbioneta (Mantova)

2011 Biennale Giovani Monza, Serrone della Villa Reale, Monza

2011 54. Esposizione Internazionale d’Arte della Biennale di Venezia – Lo stato dell’arte, Padiglione Accademie, Tese di San Cristoforo, Arsenale, Venezia

2011 „Chain Letter“, Shoshana Wayne Gallery, Santa Monica – Los Angeles

2011 „Flag Stop“, South Bay Lexus, Torrance (California)

2011 „Great 948“, Great Park Palm Court Arts Complex, Irvine (California)

2011 “You First – Ufora“, O.C.C.A., Santa Ana (California)

2012 „Culture Clash – Sinan Revelli, Charlie Grosso, Zoè Gruni“ LA Artcore, Los Angeles

2013 „Vanities – Vanidades – Vanities“, Latino Art Museum, Pomona (California)

2013 „Snap to Grid“, Los Angeles Center for Digital Art, Los Angeles

2013 MexiCali Bienal, Vincent Price Art Museum, Los Angeles

2013 „Projeto Identidade“, Ateliér da Imagem, Rio de Janeiro

2013 „LIBRopera – il libro d’artista nell’era digitale“, Accademia delle Arti del Disegno, Firenze