Davide Tranchina, Bologna

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Lebenslauf

Geboren in Bologna 1972, lebt und arbeitet in Bologna. Tranchina ist ein Fotograf, dessen Arbeitsplatz die Strassen von Städten sind, in denen er sich wie ein Abenteurer auf einer Expeditionsreise im Auto fortbewegt, um unterwegs das Gelände zu erkunden und um mit der Kamera die Objekte seiner Forschungsinteressen aufzuzeichnen. Dies begann 1998 mit einem künstlerischen Projekt, das er "Safari metropolitano" nannte und in dessen Verlauf er ausschließlich Tiere ablichtete, welche die Stadt bevölkern, ohne dass dies den meisten Einwohnern bewusst gegenwärtig ist. Er entdeckte und registrierte eine Vielzahl von Tieren - exotischer Art oder aber als vertraute heimische Spezies- auf Plakaten, Werbeschildern und anderen Trägern, wobei er in seinen Aufnahmen den Vorgang des Transitorischen als Gestaltungsfaktor in der Form mit einbezog, dass er die Perspektive aus dem Fahrzeug heraus und das Fotografieren im Vorbeifahren erkennbar in die Anlage seiner Bilder deutlich machte. Das Ergebnis dieser Konzeption sind Fotos, welche eine starke Affinität zu den aus der bewegten Situation heraus realisierten Aufnahmeverfahren aufweisen, wie sie für Filme charakteristisch sind, und es gelingt ihm, die Realität ins Unwirkliche zu transformieren. Deshalb sind die Fotos von Tranchina auch nicht vergleichbar mit den zufälligen Schnappschüssen eines Reporters, vielmehr sind sie Produkte eines planvollen Vorgehen, in dem der Schwerpunkt auf einer Analyse der Funktionen wie der Präsenz von Bildern innerhalb einer vor allem von der Werbung dominierten urbanen Lebenswelt ist. Ausgehend von einem ähnlichen Gedanken entwickelte Tranchina auch das Konzept für eine Bilderserie, die er "Naturamorta" nannte und in der ausschließlich Darstellungen von Früchten -meist auf Plakaten-im öffentlichen Raum mit der Kamera festhielt, mit dem Ziel, Analogien zur Kunstgeschichte der Stillleben herzustellen. Vor allem in dieser Arbeit tritt seine Verehrung für den Affichisten Mimmo Rotella eindeutig hervor, Tranchina sieht sich auch selbst eher in einem künstlerischen Kontinuum, das von diesem großen Vorbild ausgeht, als dass er sich in die Geschichte der Fotografie einordnet. Die primär aufkonzeptionellen Überlegungen basierende Arbeit von Tranchina, zeigt sich exemplarisch in einer weiteren Serie mit dem Titel "Through the Globe" von 2002, für die er Stadtansichten oder markante Gebäude aus allen Regionen der Erde aufnahm, nur mit dem Umstand, dass er diese Fotos nicht vor Ort machte, sondern dass er fotografische Wiedergaben dieser Ansichten reproduzierte, die er als einmontierte Bilder in jenen populären Schneekugeln vorfand, welche man weltweit als Souvenirartikel kaufen kann.