Francesco Carone, Siena

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Francesco Carone

Die Objekte und Installationen von Francesco Carone erscheinen oft auf den ersten Blick wie perfekt ausgeführte Anschauungsmodelle oder wie didaktische Lehrbeispiele, die einen wissenschaftlichen Hintergrund nahe legen und die vom Betrachter gelesen und entschlüsselt werden wollen. Derjenige, der dies versucht, findet jedoch nicht lineare und eindeutig zu erklärende Illustrationen irgendeines Sachverhaltes vor, sondern verschiedenartige Bezugssysteme, die in Verbindung zur Welt des Schöpferischen und des Wissens stehen. Denn der ausgesprochen gebildete und gedanklich arbeitende Künstler kommt von diversen Bildungstraditionen her, unter denen die Bildende Kunst nicht allein als die primäre Kategorie zu bezeichnen ist, aus der er Anregungen für sein grundsätzlich konzeptuelles Vorgehen bezieht. Weitaus prägender und inspirierender – so bekennt dies der Künstler selbst – wirkt sich bei ihm seine Vorliebe für die Literatur aus, wobei ihn insbesondere Schriftsteller des 19. Jahrhunderts faszinieren, aus deren Werke er eine Reihe von Zitaten exzerpiert, die er im Kontext eigener unterschiedlicher Erfahrungen neu interpretiert. Dies schließt auch die intensive Beschäftigung mit den exakten Wissenschaften ein.

Handwerkliches Geschick, kreative Kopfarbeit und eine erfinderische Begabung dafür, gewöhnliche Gegenstände mit Scharfsinn, Witz und Ironie neu zu definieren oder aber sie derart überraschend umzugestalten, dass sie in etwas anderes verwandelt werden, das oft die ursprüngliche Funktion der Dinge ins Gegenteil verkehrt oder diese einfach in paradoxer bzw. absurder Weise verfremdet, das sind Prämissen in der Arbeit von Carone. Völlig normale Utensilien des täglichen Gebrauchs werden so unter seiner Hand ihrer bekannten Funktion enthoben und erhalten eine modifizierende Veränderung gerade hinsichtlich jenes Aspekts, der bisher ihre praktische Zweckbestimmung ausmachte: So wird z.B. einem aufgespannten Regenschirm ein zweiter Schirm umgekehrt entgegengesetzt, so dass als ein zweckentfremdetes Gebilde eine Kugelform entsteht, die nicht im mindesten mehr dazu dienen kann, den Regen abzuhalten. Carone verwandelt den Zweck in einen Widersinn, in ein Paradoxon, wie wir dies in ähnlichen Bilderfindungen auch schon bei René Magritte hätten antreffen können. Bezeichnend ist, dass er den argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges, der die Bezüge zwischen Traum und Realität erforschte, zu seinen Lieblingsautoren zählt, zudem ist er ein leidenschaftlicher Liebhaber des Meeres und all dessen, was mit dem Leben in und auf dem Wasser zu tun hat. Dennoch lebt und arbeitet er nicht an der Küste sondern im Inland in Siena, wo er geboren wurde, denn auch diese Stadt mit ihren überall gegenwärtigen Zeugnissen der Tradition fasziniert ihn. Kunst ist für Carone eine Möglichkeit, die gegensätzlichsten und komplexesten Erfahrungen zu synthetisieren und er gesteht, dass er die Kunst als Profession gewählt hat, weil er ansonsten keine andere Methode sah, weit auseinander liegende heterogene Elemente und Bilder in einem – nach eigenen Worten – „amalgama di rigore scientifico-simbolico e di poesia eroica e brutale da briganti“ (in einem Amalgam von wissenschaftlich-symbolischer Strenge und heroischer, brutaler Poesie von Räubern) zusammen zu schweißen.

Peter Weiermair

Lebenslauf

Francesco Carone wurde am 13. Mai 1975 in Siena geboren, wo er nach wie vor lebt und arbeitet. Seine künstlerische Ausbildung begann er am Kunstinstitut in Siena, danach setzte er sein Studium an der Akademie der Schönen Künste in Florenz fort. Der Künstler zeigt in seiner Arbeit eine Passion für die Alchemie sowie für die Farbenlehre, die mit dieser verbunden ist. 2004 gewinnt er in Benevento den Preis „Mario Razzano“ für junge Künstler, der zum zweiten Mal ausgelobt wurde.