12.  Arte concreta

Die Durchsetzung einer absolut konstruktiven und konkreten Abstraktion, mit der die ersten abstrakten Bildformulierungen in Italien gewagt wurden. Solche radikal   nonfigurativen Kunstbestrebungen entfalteten sich zuerst im Umkreis der Galleria del Milione in Mailand sowie auch in Como und anderswo in den 30er Jahren. Das Verdienst, als erster italienischer Künstler abstrakte Gestaltungsprinzipien erprobt zu haben, gebührt dabei Alberto Magnelli, der seine Werke dieser Art allerdings um 1915 außerhalb der Grenzen von Italien in Paris realisierte. Der eigentliche Durchbruch der Abstraktion in Italien selbst erfolgte dann am Beginn der 30er Jahre in Mailand, wo 1933 in der Libreria und Galleria del Milione eine erste Ausstellung mit konsequent ungegenständlichen Kompositionen des Malers Atanasio Soldati veranstaltet wurde. im Umkreis dieser Galerie formierten sich schließlich die Pioniere einer rationalen, auf konstruktiven Prinzipien basierenden Kunstsprache, unter denen Oreste Bogliardi, Lucio Fontana, Virginio Ghiringhelli, Osvaldo Licini, Fausto Melotti, Mauro Reggiani und Luigi Veronesi als die wichtigsten Akteure dieser Avantgarde bezeichnet werden dürfen. Fast alle hatten damals  Kontakte zu Protagonisten der konkreten Kunst in Ländern außerhalb von Italien, vor allem in Richtung Moskau, wo sich bereits 1910 die Suprematisten Kasimir Malewitsch, Wladimir Tatlin, Alexander Rotschenko u.a. auf das Terrain des geometrischen Konstruktivismus wagten, und nach Paris, wo die Gruppe „Cercle et Carré“ sich als Förderverein für die Durchsetzung der rationalen Abstraktion bzw. der „Arte Concreta“ profilierte.

Eine parallel zu Mailand aktive Gruppierung bildete sich in Como heraus, wo sich um 1930 Mario Radice, Manlio Rho und Carla Badiali in einem Aktionsbündnis zusammenfanden, in dem ebenfalls die Durchsetzung der konkreten abstrakten Malerei betrieben wurde.