8.  Erneuerung der Figuration

Mit programmatischen Slogans wie „Ritorno al ordine“ und „Ritorno al mestiere“ begleitete Etablierung einer retrospektiv orientierten figürlichen Malerei, die im Einflussbereich der Zeitschriften „Valori plastici“, „La Ronda“ und „Il sovegno“, die zwischen 1918 und 1922 erschienen, kursierten. Diese Aufforderung zur Ordnung zurückzukehren sowie auch die Rückkehr zum handwerklichen Können, konterkarierte die rebellische fortschrittsgläubige Programmatik der Futuristen, doch gleichzeitig war auch sie eine stark ideologisch konnotierte, vom den nationalen kulturpolitischen Idealen der „Mediterraneità“ wie der „Italianità“ getragene Tendenz, die auch den Futuristen nicht fremd war. Stilbildend innerhalb der von „Valori plastici“ (Plastische Werte) ausgelösten Bewegung waren primär die Rückbesinnungen auf die typisierende und formalisierende Strenge der Archaik wie der Frührenaissance sowie die Verlautbarungen von  Bekenntnissen zur Größe der mediterranen Kultur überhaupt, wobei vor allem die lapidare, rigorose, unprätentiöse, schlichte, tektonische und formalisierende Vereinfachung sowie auch die statuarischen Gestaltungprinzipien von etruskischen, spätrömischen, byzantinischen oder auch koptischen Kunstwerken als Leitmotive galten. Vor allem Giorgio de Chirico war an dieser Glorifizierung der Solidität der alten Meister, besonders in Bezug auf die Vorbildlichkeit von Giotto, Masaccio und Uccello prominent beteiligt und er förderte die stilbildende Aneignung von Prinzipien, die sich aus deren Formensprache ableiten ließen. Solche Vorbilder und solche Intentionen prägten sehr stark das Kunstgeschehen in Italien am Ende der 10er wie auch in den 20er Jahren und so manche Künstler versuchten, die typisierende Stilistik älterer Darstellungsmodi des Südens als Modelle für ihre eigenen Schöpfungen zu verwerten. In allen diesen Momenten der Rückbesinnungen entfaltete sich aber auch die Ausbildung eines sachlich-präzisen, formal klar definierten, konturenscharfen Figuren-und Dingrealismus, der als eine analoge Tendenz zur sogenannten „Neuen Sachlichkeit“ in Deutschland zu interpretieren ist.