39.  Figurative Malerei

Die wechselvolle Permanenz von Bildgestaltungen auf der Fläche, in denen das  klassische Tafelbild mit seinem mimetischen figurativen Darstellungsmodus und seiner tradierten manuellen Manier mit Pinsel und Farbe auf Leinwand zwar weiterlebt, parallel dazu aber auch infrage gestellt wird durch vielfältige Versuche, die Grenzen der Malerei durch die Erfindung von innovativen bildnerischen, inhaltlichen, konzeptionellen und materiellen Modifikationen neu zu definieren. Dabei wird auch angestrebt, der Malerei als Gattung durch die Kombination mit avancierten technischen Ausführungsmethoden eine bleibende Akzeptanz und Wertigkeit zu sichern, mit dem Ziel, ihr Anspruchsniveau zu bestätigen und ihr eine weiterhin führende Rolle in der Konkurrenz zu anderen künstlerischen Medien zu erhalten. In diesem Sinne muss es auch nicht immer die übliche Farbsubstanz sein, die auf die Leinwand aufgebracht wird, denn auch der Siebdruck oder der Einsatz von Fotoleinwand sind inzwischen längst akzeptierte Praktiken zur Realisierung eines Tafelbildes.

Oft werden dabei die malerischen Emanationen mit ergänzenden Implikaten kombiniert, wobei Motivzitate ebenso zur Anwendung kommen wie Collagetechniken oder Applikationen anderer Materialien und Dinge in den Bildkontext. Zunehmend wird die Malerei im Rahmen solcher Intentionen zum Instrument der medialen Vergegenwärtigung von intellektuell oft höchst anspruchsvollen Konzeptideen.

Interessant sind hier besonders die bildgenerierenden Lösungen einer Reihe von jüngeren Künstlern in Italien (Davide La Rocca, Leonida de Filippi, Cristiano Pintaldi, Federico Pietrella), die das malerische Tafelbild mit den Technologien der Printmedien bzw. der elektronischen Bildgenerierung versöhnen, indem sie mit fotografischen Reproduktionsverfahren, mit Punkt- und Linienrastern, mit Auflösungen der Bildmotive in Strukturen, mit synoptischen Farbmischungen oder mit Methoden der Bildkonkretisierung arbeiten, welche sich infolge der Physiologie des Sehens im Auge des Betrachters vollzieht.