31.  L’altra scultura

Die Erweiterungen des Begriffs und der Praxis des dreidimensionalen skulpturalen Schaffens. In jenem Prozess, in dem seit Beginn der 60er Jahre über die Erweiterung des Kunstbegriffs ebenso nachgedacht wurde wie über die Definition dessen, was als Kunstwerk zu gelten hat, blieben auch die zuvor klar definierten Merkmale der Kunstgattungen nicht unangetastet, das heißt, auch in Bezug auf die Plastik bzw. die Skulptur wurden nun Gestaltungskonzepte möglich, mit denen zwar weiterhin räumliche Gebilde hergestellt wurden, die aber dennoch die klassische oder konventionelle Definition einer Skulptur, die in Stein ausgeführt wird, oder einer Plastik, die in Ton geformt und in Bronze gegossen wird, sprengten. Das gilt sowohl hinsichtlich der Materialien, bei denen gänzlich neue verschiedenartige stoffliche Elemente zum Einsatz kommen können, als auch hinsichtlich der Charakteristik eines räumlichen Werks, das nun wie ein dingliches Objekt, wie ein Werkstück oder wie ein fremdartiges Konstrukt aussehen konnte bzw. wie eine Installation, die aus einem Arrangement von diversen Teilstücken in einem ambientalen Kontext besteht. Fertigteile industrieller Herkunft sind nicht weniger als Komponenten möglich wie architektonische Bauteile aus armiertem Beton, Leuchtstoffröhren als Fremdkörper innerhalb der Natur kommen ebenso vor wie figurative Gestaltungen, für die alte Holzbretter Verwendung fanden und auch immaterielle Phänomene können eine künstlerische Ausdrucksqualität gewinnen, wenn z.B. Rauchschwaden als Gestaltungsmittel zum Einsatz kommen. Parallel dazu änderte sich auch der Modus, nach dem ein skulpturales Werk im Raum positioniert wird, anstelle eines Sockels als Basis für ein Werk, konnte dieses nun aus Teilen bestehen, die flach auf dem Boden ausgelegt werden  oder aber es kann so beschaffen sein, dass es sich von der Wand in den Raum hinein ausdehnt bzw. sich hängend von der Decke in einem Schwebezustand präsentiert.