24.  Nouveau Réalisme, Affichismus und MEC-Art

Der Einbezug des Wirklichen in den Kunstkontext. Die Basis hierfür legte der französische Kunstkritiker Pierre Restany, der eine Abkehr vom Schein und vom Illusionismus der traditionellen Kunst und eine Hinwendung zur alltäglichen (Konsum-) Wirklichkeit als Reservoir für authentische Kunstschöpfungen einforderte. Ausgehend davon wanden sich die „Affichisten“ den visuellen Angeboten in der urbanen Umwelt zu, die schon immer als „die Kunst der Straße“ bezeichnet wurden, das heißt sie entdeckten die Werbeplakate, die in den Straßen der Städte – in Schichten übereinander geklebt -  überall präsent sind und sie entdeckten dabei auch die ästhetischen Werte, die infolge des Abreißens der Plakate dadurch gewonnen werden, dass diverse subkutane Lagen der Papiere in partiellen Fragmenten freigelegt werden und so neue interessante Strukturen entstehen lassen, deren Optik und deren Wahrnehmungsqualität durch die „Informelle Malerei“ antizipiert worden war. Die „MEC-Art“ war ein italienischer Ableger dieser Hinwendung zu den Fakten des alltäglichen Lebens, das von den Künstlern, die sich unter diesem Begriff zusammenfanden, in Form von dadaistisch beeinflussten Collagen verarbeitet wurden, deren bildnerischen Elemente sie Foto-Illustrationen in populären Printmedien, welche die neuen Mythen des Alltags, Krieg, Sex und Crime, zum sensationellen Konsumgut machten, entnahmen, wobei ihre mit diesen Fremdmaterialien bestückten neuen Bildkomplexe grundsätzlich gesellschaftskritisch konnotiert waren. Ihre durch ein radiales linkes Denken politisch motivierten umstürzlerischen Intentionen galten aber nicht zuletzt dem exklusiven Status des bürgerlichen Kunstwerks und insbesondere dem Kult um das Unikat, das sie damit konterkarieren wollten, dass sie ihre Collagen in einem fotomechanischen Verfahren auf Foto-Leinwand reproduzierten und diese künstlerischen Ergebnisse in hohen Auflagen – in der Theorie – „unters Volk“ zu bringen versuchten. Von daher stammt der Begriff „MEC Art“.