10.  Novecento Italiano

Bestrebungen einer einst sehr prominenten Künstlergruppe, die sich unter Beteiligung von Anselmo Bucci, Leonardo Dudreville, Achille Funi, Emilio Malerba, Pietro Marussig, Ubaldo Oppi und Mario Sironi 1922 in der Mailänder Galerie Lino Pesaro erstmals traf, die 1923 in einer ersten Ausstellung an die Öffentlichkeit trat und die sich unter der Führung der dem Duce nahestehenden, prominenten  jüdischen Journalistin Margherita Sarfatti ihren letztgültigen Namen „Novecento Italiano“ (Italienisches Zwanzigstes Jahrhundert) gab. Neue Mitglieder, darunter Felice Casorati, Arturo Tosi und Massimo Campigli schlossen sich später an. In Fortsetzung der bereits von der Zeitschrift „Valori plastici“ propagierten retrospektiven Tendenzen, welche eine Wiederbelebung von genuin italienischen Traditionen und von grundsätzlich figurativen Prämissen des Schaffens beinhalteten, bildete sich eine Stilistik heraus, die trotz der unverkennbar individuellen Manier des Gestaltens einzelner Teilnehmer, ihre Gemeinsamkeit im Bekenntnis zur Italianità und zur Mediterraneità hatte. Inspiriert von derartigen  grundsätzlich figurativen, revisionistischen Intentionen, mit denen Charakteristika der Bildgestaltung und die Darstellungsmodi von großen italienischen Meistern der Vergangenheit – von Giotto bis zu Raffael -  in Erinnerung gerufen wurden, entwickelten die Künstler des „Novecento“ einen für ihre Zeit sehr typischen und prägenden modernen Modus der Figuration, in dem klassisch vereinfachte, statuarische, plastische, präzis konturierte und detailgenau ausgearbeitete Prinzipien neben einem zeitweisen Hang zum Monumentalen, den einige von ihnen ohne Zweifel hatten, dominierten. Damit hatten sich die Künstler des „Novecento“ schließlich auch für Staatsaufträge, insbesondere für Wandmalereien in öffentlichen Gebäuden, profiliert und der Eindruck einer affirmativen Nähe zum Faschismus, könnte von daher betrachtet durchaus begründet sein. Zwar ist nicht zu leugnen, dass im Umkreis des „Novecento“ auch propagandistische faschistische Programmbilder und staatstragende Allegorien entstanden, jedoch dies hatte nicht die Konsequenz, dass die Kunst der Mitglieder des „Novecento Italiano“, - Mario Sironi sei hier ausgenommen -, den Rang einer faschistischen Staatskunst gehabt hätte. Eine Konvergenz zu der zeitgleichen deutschen Tendenz der „Neuen Sachlichkeit“ ist unübersehbar.