22.  Oltre la Pittura / Die Überwindung der Malerei

Vom „Spazialismo“ zur „Gruppe „Azimuth“ und die Proklamierung des objektivierten und entpersönlichten Kunstwerks bzw. des Kunstwerks als „fensterlose Monade“ (Adorno) und „Ding an sich“.

Abkehr von den subjektiven Malaktionen der freien Abstraktion zugunsten einer absoluten  Authentizität und  Objektivation des Werks, verbunden mit Eingriffen in die Substanz der Bildebene, deren tradierte sekundäre Funktion, nur als Trägerin einer Malschicht zu dienen, negiert und problematisiert wird. Die künstlerische Thematisierung des ästhetischen Eigenwerts von aufgeschlitzten, aufgebrochenen, durchbrochenen oder plastisch ausgeformten Bildoberflächen nimmt hier ihren Anfang, wobei zugleich alle Reste des Scheins wie des nur Illusionären und des Uneigentlichen aus der Konstitution des Kunstwerks verbannt werden. Dieser radikalen Revision des Werkbegriffs fielen alle tradierten ästhetischen und inhaltlichen Erwartungen zum Opfer, die ein Betrachter bislang an ein Bild stellte. Nichts was dem Werk nur äußerlich ist, durfte bleiben, nichts sollte an etwas Mimetisches erinnern, keine Bedeutung, keine Erzählung, keine Symbolik, kein Anmutungsreiz hatten sich einzumischen und vor allem sollte der Schöpfer eines Werks keine Spuren hinterlassen. Das Werk visualisiert nur noch das, was es de facto auf Grund der formalen und stofflichen Qualitäten seiner jeweils eigenen Beschaffenheit selbst ist und was es aus sich heraus visuell zu vermitteln vermag. Das Werk definiert sich selbst durch seine totale Immanenz.