6.  Pittura Metafisica

Psychologisierung und enigmatische Mystifizierung der Bildmotive, in denen das absurde und disparate Zusammentreffen von allerlei sich eigentlich fremden Dingen und von puppenartigen Figurinen auf leeren Plätzen ebenso eine geheimnisvolle und irritierende Stimmung erzeugen wie perspektivisch in die Tiefe führenden Arkadengänge, die eine menschenleere Einsamkeit und Verlorenheit suggerieren. Dabei vermitteln zuweilen auch antikische Statuen einen poetischen Hinweis auf ein vergangenes Sein, verbunden mit inszenatorischen Bildmitteln, bei denen oft lang hingeworfene schwarze Schlagschatten, die von einer fernen tiefstehenden kosmischen Lichtquelle erzeugt werden, das Empfinden einer irritierenden Orientierungslosigkeit verstärken. All dies führt in der Betrachtung zu dem unbehaglichen Empfinden vermitteln, dass man mit einem irrealen Szenarium konfrontiert ist, in dessen phänomenalen Gegebenheiten die gewohnten empirischen Gegebenheiten und Seinsdeutungen nicht mehr funktionieren. Giorgio de Chirico, der 1888 in Griechenland geborene italienische Maler, erfand diese magischen, von einer unheilvollen Ahnung erfüllten Sujets schon in den Jahren um 1912, aber erst 1917 begründete er zusammen mit Carlo Carrà in Ferrara jene Bewegung, der er den Namen „Scuola metafisica“ gab, und die als eine Vorwegnahme der späteren surrealistischen Traumprotokolle zu werten sind. Der „Pittura metafisica“ schloss sich in eigenständiger Weise auch sein Bruder Alberto Savinio an.