32.  Pittura Pittura

Absolute, essenzielle und analytische Malerei, in der die konzeptionelle Reduktion der malerischen Mittel auf ihre letztgültigen konstitutiven Prämissen konsequent verfolgt wird. Diese auch international seit den 50er Jahren virulente Tendenz ging von dem fundamentalistischen Begriff eines absolut selbstreferentiellen Kunstwerks aus, das im „Schwarzen Quadrat“ von Malewitsch von 1913 sein Urbild hatte, wobei man ein Reinheitsgebot verfolgte, mit denen die durch nichts Fremdes gestörte Wirksamkeit von autonomen malerischen Werten angestrebt wurde, das heißt, aus dem malerischen Kunstwerk sollten alle sekundären Inhalte wie z.B. Symbolik, Erzählung, Anmutung, Komposition, individuelle Autorenschaft etc. ausgeschlossen sein, zugunsten der Präsenz eines absoluten oder essenziellen Eigenausdrucks der malerischen Konstituenten des Werks. Zu diesen sind außer der Farbe in ihrer stofflichen  Zustandsform auch jene Indizien zu rechnen, welche innerhalb der malerischen Prozeduren eine Bedeutung haben, das heißt der Duktus des Farbauftrags, die Pinselspur, die Werte des Kolorits, der Malgrund und seine Materialität, was bei Griffa dazu führte, dass bei dessen Werken zugunsten der Mitsprache der Leinwand als Bildelement auf einen Keilrahmen verzichtet wird. Ausgehend von solchen dogmatischen Maximen entstanden Gemälde im Modus reiner Immanenz, die allein durch die in ihnen wirksamen Prinzipien der konsequenten Purifikation und der asketische Strenge überzeugen, wobei eine intensiv wirkende kontemplative Aura, die von diesen hermetischen Werken erzeugt wird, in der Rezeption oft dominiert. In Italien (wie auch in Deutschland und anderswo) hatte diese nie ganz verlöschende Tendenz als Begleiterscheinung der Konzept-Kunst punktuell am Beginn der 70er Jahre eine kurzzeitige Konjunktur.