29.  Politkunst

Künstlerische Parteinahmen und politische Affirmationen im Rahmen der Protestbewegungen am Ende der 60er Jahre. Im Kontext der revolutionären Rebellionen der Studenten in allen westlichen Ländern vor und um 1968, die vor allem in den USA und in Europa  ausbrachen, blieb auch die Kunst von den Inhalten des Aufstandes nicht unberührt. Ihre elitäre gesellschaftliche Funktion wurde ebenso infrage gestellt wie ihre geistige und ethische Bedeutung, das heißt, dass auch die Kunst in jener antibürgerlich aufgeladenen Atmosphäre des Widerstands gegen verhärtete Strukturen der Gesellschaft wie gegen die inhumanen sozialen und politischen Strukturen demontiert wurde, ihr Sinn und die Berechtigung ihrer exklusiven ästhetischen Position wurden wie niemals zuvor kritisch hinterfragt. Insbesondere waren es dabei die Kriege der USA in Vietnam, in Laos und Kambodscha, welche den Unmut und die Rebellion anstachelten und am Beispiel ihrer unmenschlichen Strategie geriet der Glaube an die Werte der bestehenden bürgerlichen Ordnung völlig ins Wanken. In diesem Prozess boten sich der Marxismus und der Sozialismus als Leitideologien an, in denen sich die Umsturzbestrebungen der jungen Generation artikulierten und auch in Italien wurden zahlreiche Künstlerinnen und Künstler von diesen Ideen erfasst, die auch zu einer Änderung der künstlerischen Praxis führten. Künstler beteiligten sich jetzt auch an den Demonstrationen, Protesten und rebellischen Aktionen auf der Straße und sie stellten ihre Kunst dezidiert in den Dienst der Propaganda für eine humane, soziale und zuletzt auch kommunistische Gesellschaftsordnung. In diesem Klima entstanden Bildinszenierungen, in denen die historischen Protagonisten des revolutionären Kampfes für eine neue Gesellschaftsverfassung ebenso glorifiziert wurden wie manche legendären Ereignisse des Klassenkampfes.