19.  Quadri materici

Überwindung der traditionellen Malerei mit Farbpasten durch Bildschöpfungen, in denen die sinnlichen Anmutungsqualitäten und die unmittelbar präsenten stofflichen und farbigen Ausdruckswerte von gewöhnlichen Materialien das Primat der tradierten Malerei, bei der Ölfarben auf Leinwand als sekundäre Mittel aufgetragen werden, infrage stellen. Zudem boten sich die Materialien mit ihrer jeweils eigentümlichen substanziellen Präsenz auch für eine haptische Empfindung an und erweiterten damit das ästhetische wie auch semantische Repertoire der Bildkunst. Wenn auch im Rahmen dieser Tendenz zunächst die Materialien oft noch wie Elemente einer Bildkomposition benutzt wurden, die an den kompositionellen Gestaltungsprinzipien von gemalten Bildern orientiert war, so öffnete sich damit letztlich doch auch der Weg zur Entdeckung von Dingen oder stofflichen Relikten, die ursprünglich als Alltagsgegenstände bzw. als funktionelle Teile für Maschinen oder Apparate aus einer industriellen Produktion kamen, und die in ihrer rohen unbearbeiteten Zustandsform eine ästhetische Qualität aufwiesen, der zufolge sie zu optisch wirksamen Elementen von Kunstwerken erklärt werden konnten. Vor allem Metalle, Bleche, Folien oder eiserne Gussteile boten sich hier wegen der materiellen und koloristischen Effekte an, die bei ihnen durch Gebrauch, Korrosion oder durch Alterung entstanden waren. Der wichtigste Protagonist einer Kunstschöpfung, in der ausschließlich Altmetalle und mechanische Teile originär als Ready Mades zur Kunst erklärt wurden, war Ettore Colla, der dies lange vor der Gründung des „Nouveau Realisme“ tat.