20.  Zeichen, Chiffren und Ideogramme

Die bildnerische Verwendung von normativen Komponenten, die wegen ihrer intersubjektiv gültigen, präfabrizierten, seriellen. schematischen und formal standardisierten Optik zu Konstanten innerhalb von Bildsystemen gewählt wurden. Sie kamen schon ab dem Beginn der 50er Jahre in Gegenposition zu den unbewussten Automatismen in der Malerei und gegen die spontane aktionistische Willkür der subjektiven Triebentladungen zum Einsatz, wobei mit ihnen auch durchaus ein kritischer Widerspruch zu den bildnerischen Zufallsergebnissen der freien abstrakten Expression bekundet wurde. Mit dem Aufkommen dieser Elemente, die aus Ziffern, Buchstaben oder anderen typisierten Charakteren bestehen konnte, bereitete sich jene Tendenz vor, die um 1960 zum Niedergang der spontanen Gestik und des Subjektivismus der informellen Malerei führte. Es wurde damit das Postulat eines absolut selbstreferentiellen Kunstwerks begründet, das als ein eigenwertiges visuelles Faktum begriffen werden sollte und aus dem alle sekundären Ausdrucksqualitäten verbannt waren.

Der Begriff „Ideogramm“ steht dagegen für Zeichen, die einen spezifischen Bedeutungshintergrund haben, sie sind zwar ebenfalls durch eine zeichenhafte abstrakte Charakteristik gekennzeichnet, wollen aber dennoch darüber hinaus auch als Träger von Aussagen mit einer metaphorischen, assoziativen und stimulierenden Anmutung verstanden werden. Beispielhaft für diese Art einer packenden phantasmagorischen Ansprache ist das Bild „Pittura“ von Enrico Bordoni.