Franco Meneguzzo - Ein Malerleben im Verborgenen

Der hier vorliegende dritte Band der kunstwissenschaftlichen Schriftenreihe der VAF-Stiftung, der von Volker W. Feierabend bearbeitet und herausgegeben wurde, ist dem bildnerischen Lebenswerk des Künstlers Franco Meneguzzo gewidmet. Geboren im Jahre 1924 in Valdagno, einem kleinen Ort in der Nähe von Vicenza, zählte Franco Meneguzzo zu jener Generation, die zunächst, als Erfahrung der Jugendzeit, noch die politische und kulturelle Situation der faschistischen Staatsverfassung miterlebte und die dann nach 1945 den endgültigen Sturz dieser totalitären Herrschaft als Befreiung begrüßte. Künstlerisch bedeutete dies vor allem, dass nun in Italien die Errungenschaften der europäisch-amerikanischen Avantgarden sich unbeeinträchtigt entfalten konnten und dass damit die Abstraktion als eine freie subjektive Bildsprache zum Ausdrucksgestus eines neuen Lebensgefühls wurde. Auch Franco Meneguzzo, der in den Nachkriegsjahren zur Kunst fand, nahm an dieser Aufbruchstendenz intensiv teil und er wurde zu einem Maler und Grafiker, der sehr bewusst und eigenständig die revolutionären stilistischen Innovationen der damaligen Epoche aufnahm und verarbeitete. Ausgestattet mit einem bemerkenswert kreativen Talent, erprobte er dabei immer wieder neue bildnerische Lösungen, in denen zwar Einflüsse aus dem geometrisierenden abstrakten Postkubismus, aus dem Tachismus, aus der informellen Malerei sowie auch aus dem nonfigurativen Surrealismus durchaus erkennbar sind, die aber nicht zuletzt auch als sehr unabhängige persönliche Beiträge zur gegenstandsfreien Bildästhetik in den fünfziger und sechziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts gewertet werden müssen. In ihrer geistigen Kraft wie auch in ihrer schöpferischen Originalität können sich die Werke von Franco Meneguzzo neben denen von bekannteren Zeitgenossen ohne weiteres behaupten. Dennoch ist ihm der Durchbruch zu einer erhöhten Aufmerksamkeit nie gelungen, trotz einiger Ausstellungen wurden er und seine Kunst von der Kritik wie vom Publikum nicht wahrgenommen. Seine künstlerischen Ideen und seine gestalterischen Lösungen reiften im Verborgenen abseits des Kunstbetriebs. Dies gilt zumindest für seine Arbeit als Maler und Grafiker, denn als Keramiker hatte er einen auch international höchst respektierten Namen und auch als Bildhauer war er stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit präsent.

Die Darstellung des malerischen Schaffens von Franco Meneguzzo in diesem Buch ist deshalb auch eine spannende kunsthistorische Entdeckung und eine späte Würdigung. In einer chronologischen Folge von 224 farbigen Abbildungen sowie in eingehenden Abhandlungen von Volker W. Feierabend, von Marco Meneguzzo und von Biffi Gentili wird das individuelle Profil seiner diversen bildnerischen Erfindungen wie auch die Geschichte seines Lebens eindrucksvoll sichtbar. Eine anthologische Textsammlung, mit Kommentaren von Kritikern, Literaten und bildenden Künstlern zu Franco Meneguzzo vermittelt ein interessantes Meinungsbild über ihn und schließlich vervollständigen ein detaillierter biografischer Abriss, Ausstellungsverzeichnisse und bibliografische Listen diese Chronik einer zu Unrecht im Verborgenen gebliebenen Künstlerexistenz.

Buchinformationen
Titel Franco Meneguzzo
Untertitel Ein Malerleben im Verborgenen
Jahr 2007
Herausgeber Volker W. Feierabend
Verlag Silvana Editoriale
Band 3
ISBN 97888-3660846-1