MEC ART - Kunst nach dem Ende der Malerei

Der Begriff „Mec-Art“, der eine Kurzform von „Mechanical Art“ bzw. von „Arte Meccanica“ ist, was auf deutsch „Mechanische Kunst“ heißt, bezeichnet das kreative Programm einer französisch-italienischen Künstlergruppe, die in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts mit radikal neuen Ideen zur gesellschaftlichen und kommunikativen Funktion der Kunst hervortrat und die dabei eine fundamental veränderte Praxis der Kunstproduktion propagierte, mit welcher sie dezidiert gegen den idealistischen Anspruch der traditionellen Staffeleimalerei opponierte. In diesem Sinne lehnte diese Gruppe nicht nur die genialische Attitüde ab, welche insbesondere von den Vertretern der „Informellen Malerei“ kultiviert wurde, sondern auch die Vorstellung von der ästhetischen Exklusivität und von der einzigartigen Werthöhe des malerischen Unikats. Stattdessen verstanden sich die Künstler, welche im Geiste der Mec-Art arbeiteten, als wirklichkeitskonforme Befürworter des aktuellen Lebens und sie akzeptierten uneingeschränkt die damit verbundenen zivilisatorischen, medialen und technologischen Konsequenzen. Insbesondere waren sie inspiriert von der Zunahme des populären Angebots an fotografischen Bildern sowie von den neuen Mythen des Alltags, deren Illustrierung in der Konsumreklame und in der Scheinwelt der Werbung ebenso zu finden war wie in den fotografischen Bildberichten von Kriegen, Katastrophen, Verbrechen und Unfällen. Dies gilt auch für die Bildreportagen aus der Lebenswelt oder aus den Intimsphären der Reichen, der Schönen und der Stars, einschließlich solcher Zurschaustellungen, welche die Nachfrage nach drastischem Sex und nach erotischen Animationen befriedigten. Die Künstler der Mec-Art verarbeiteten solche exemplarischen Sujets des realen Zeitgeschehens, indem sie diese aus ihren ursprünglichen kommunikativen Zusammenhängen herauslösten und dann wie bildnerische Readymades in ihre eigenen Gestaltungen integrierten. Die für die Mec-Art charakeristische technische Methode, die jetzt anstelle der veralteten manuellen Manier des Malens mit Farbe und Pinsel zum Einsatz kam, war der Gebrauch der Fotoleinwand einschließlich fotografischer Produktionstechniken. Auf diese Weise entstand also ein Fotoabzug auf einer Leinwand, die dann, wie dies schon immer in der tradierten Atelierpraxis üblich war, auf einen Keilrahmen aufgespannt werden konnte, d.h. es war in der Konzeption durchaus noch der Wille vorhanden, ein flächiges Leinwandbild zu erstellen, nur mit dem Unterschied, dass dieses vom Verfahren her gesehen das Produkt einer avancierten Technologie war.

Die vorliegende von Volker W. Feierabend in der Schriftenreihe der VAF-Stiftung herausgegebene und bei Silvana Editoriale aufgelegte Publikation hat zum Ziel, auf die heute vergessenen revolutionären Bestrebungen der Mec-Art insgesamt wieder aufmerksam zu machen sowie im Speziellen jene künstlerischen Realisierungen zu dokumentieren, zu kommentieren und zu interpretieren, welche die italienischen Protagonisten dieser Initiative – Gianni Bertini, Bruno Di Bello, Elio Mariani, Mimmo Rotella und Aldo Tagliaferro – im Kontext des innovativen Wollens der Mec-Art hervorgebracht haben. Dazu tragen neben zahlreichen farbigen Abbildungen die inhaltlich fundierten und informativen Textbeiträge von Volker W. Feierabend und von Prof. Francesco Tedeschi ebenso bei, wie die ausführlichen Biografien, Statements und Interviews, die in einem Anhang versammelt sind. 

Buchinformationen
Titel MEC ART
Untertitel Kunst nach dem Ende der Malerei
Jahr 2010
Herausgeber Volker W. Feierabend
Verlag Silvana Editoriale
Band 10
ISBN 97888-3661387