Pittura analitica - Analytische Malerei

Zeitgleich mit der Verbreitung der konzeptionellen Kunst (Concept Art) um 1970, die die endgültige Aufgabe jeglicher darstellerischen Fiktion postuliert und demzufolge das Mittel der Malerei für absolut überholt hält, wollen andere Künstler, vor allem in Frankreich, Italien und Deutschland nicht auf die von der Malerei gebotenen Möglichkeiten verzichten, wollen diese jedoch mit der gleichen Analytik benutzen, mit der ein „konzeptioneller“ Künstler einen logischen Satz analysieren würde. Diese Maler, die sich der Bedeutung der Analyse der Sprache durch die Sprache selbst bewusst sind und auch des Bewusstseins und der genauen Kenntnis der Ausdrucksmittel des Künstlers, auch in Beziehung zum politischen Kontext, in dem er wirkt, doch ebenso überzeugt sind, dass die Malerei noch viel zu sagen und auszudrücken hat und dass sie alles andere als ein überholtes Medium sei, malen sozusagen in „konzeptioneller“ Art, das heißt sie wenden auf die Malerei dieselbe Analytik an, die andere auf andere ästhetische Untersuchungen des Realen anwenden.
Auf diesem Wege erzielt die Malerei – oder zumindest diese Tendenz, die auf verschiedene Weise benannt wird, etwa analytische Malerei (Pittura analitica), Neue Malerei (Nuova pittura), gemalte Malerei (Pittura pittura) oder grundsätzliche Malerei (Fundamental Painting) – ein doppeltes Ergebnis: sie wird auch selbst zum Untersuchungsgegenstand des Künstlers und verliert jegliches Konnotat des Referenziellen, des naturalistischen oder auch einfach nur realistischen Bezuges. Diese Maler legen das Gewicht auf die malerische Praxis und ihre inneren Mechanismen, die aus Beziehungen zwischen den Grundelementen der Malerei bestehen – und nur aus diesen –, das heißt Oberfläche, Unterlage, Farbe, Zeichen.
Nun muss also die Malerei nichts mehr darstellen, um legitimiert zu sein, sondern es reicht, wenn sie von sich selbst redet, wenn sie das Verhältnis zwischen dem Künstler und der Leinwand untersucht und zwischen jeder Handlung des Künstlers und der Spur, die davon bleibt.
Dieser Band analysiert die italienische Seite dieser Tendenz, indem sie eine große Sammlung von Bildern der 18 bedeutendsten Künstler dieses Moments und eine breite Anthologie ihrer zwischen 1970 und 1980 geschriebenen theoretischen Schriften vorstellt:
Das Ergebnis wirft neues Licht auf die italienische und europäische Kunstgeschichte, indem sie eine künstlerische, ästhetische und politische Haltung, die die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts unendlich viel bunter, reicher und komplexer macht, aus einem engherzigen Vergessen herausholt.

Buchinformationen
Titel Pittura analitica
Untertitel Analytische Malerei
Jahr 2008
Herausgeber Volker W. Feierabend
Verlag Silvana Editoriale
Band 6
ISBN 97888-3660984-0